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Diversity

Homosexualität ist noch immer Karrierebremse

Gero Brandenburg
Die gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexuellen ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Im Top-Management dagegen lässt sich diese Entwicklung bislang nicht finden. Homosexualität ist hier immer noch ein Tabu - trotz Diversity Management.
Über Homosexualität wird am Arbeitsplatz oft geschwiegenFoto: © somenski - Fotolia.com
Ulrich Köstlin hat es getan. Damit ist er eine große Ausnahme unter den führenden Managern in Deutschland. Der Vorstand des Pharmakonzerns Bayer Schering hat sich als homosexuell geoutet: "Ich wollte mit meiner eigenen Lebensentscheidung offen und transparent umgehen, auch im Interesse meines Partners. Und ich wollte deutlich machen, dass diese Entscheidung nichts mit dem Unternehmen und meiner Arbeit zu tun hat. Gleichzeitig wollte ich so Spekulationen vorbeugen."Mit seiner selbstbewusst-offenen Einstellung ist Köstlin ziemlich allein in der deutschen Wirtschaft. Zu nennen ist noch der Finanzinvestor Harald Christ. Aber sonst? Fehlanzeige. Dabei müsste ein gutes Dutzend aller Dax-Vorstände schwul sein. Mindestens. Denn laut Statistik sind zwischen sieben und zehn Prozent der Bevölkerung homosexuell. In den Chefetagen deutscher Unternehmen aber macht die Statistik eine Ausnahme: Im Dax-Herrenclub mit seinen 183 Männern - dazu gesellen sich nur zwei Damen - gibt es offiziell keinen einzigen Schwulen.

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Ungeschriebene Gesetze des ManagementsWährend führende Politiker wie Außenminister Guido Westerwelle oder Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sich mittlerweile wie selbstverständlich mit ihren Lebensgefährten zeigen, ist Homosexualität noch immer eine der größten Hürden für Manager auf dem Weg in die Chefetagen der Unternehmen. Die vorgelebten Werte sind heterosexuell und konservativ. Wer nach ganz oben will, der outet sich besser nicht. Der Schaden für die eigene Karriere könnte irreparabel sein."Das Top-Management bildet einen geschlossenen Machtzirkel mit vielen impliziten Normen und ungeschriebenen Gesetzen, die es homosexuellen Männern ähnlich schwer machen wie Frauen. Abweichler stören und bringen die tradierte Ordnung durcheinander", sagt der Unternehmensberater und Diversity-Experte Michael Stuber. Auf Vorstandsebene ist gleichgeschlechtliche Liebe nicht erwünscht. Was hinter den Kulissen geschieht, ist eine andere Frage.Das homophobe Klima in den Schaltzentralen der Wirtschaft erstaunt, haben doch fast alle Unternehmen für sich entdeckt, dass eine minderheitenfreundliche Politik auch wirtschaftliche Vorteile hat. Empirische Studien belegen, dass die Förderung der Vielfalt, Diversity genannt, zu effektiverer Teamarbeit und höherer Innovationskraft in den Firmen führt. Für ein besseres Image sorgt sie ebenso und erhöht die Attraktivität als Arbeitgeber - ein wichtiger Aspekt im Wettbewerb um die besten Nachwuchskräfte.

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