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Streben nach Macht

Hoch geflogen, tief gefallen

Stefani Hergert
Immer wieder riskieren und ruinieren Top-Manager und Spitzenpolitiker für vergleichsweise wenig ihren Job und ihren guten Namen. Psychologen haben längst Muster erkannt. Ein Erklärungsversuch.
Foto: J. Klosowski/Pixelio

Auf Warren Buffets Spuren

Er galt als möglicher Nachfolger der Investorenlegende Warren Buffett, hätte ein Imperium geleitet. Doch David Sokol hat alles verspielt, mit einem einzigen Aktiengeschäft, das den früheren Berkshire-Manager Job und Karriere kostete.

Was war passiert? Sokol hatte als Privatmann in die Chemiefirma Lubrizol investiert und Buffett kurz darauf überzeugt, es ihm gleichzutun und auch in das Unternehmen einzusteigen. Als das Engagement der Investorenlegende an den Märkten bekannt wurde, stieg der Aktienkurs – und auf einen Schlag war Sokols privates Engagement einige Millionen Dollar mehr wert.

Die besten Jobs von allen


Für Buffett, dem wichtig ist, dass er und seine Manager saubere Geschäfte machen, sich ethisch einwandfrei verhalten, war das ein Bruch mit den Regeln. Er distanzierte sich umgehend von seinem einstigen Kronprinzen: „Sein Verhalten hat unseren ethischen Code verletzt“, sagt er vor wenigen Tagen in einem Interview

Sokols Abgang wirft Fragen auf. Warum setzt jemand wie er, der die Regeln kennt, alles aufs Spiel? Für eine – in diesen Kreisen vergleichsweise – geringe Summe?

Riskantes Spiel

Wer sich ein wenig umschaut, wird nicht nur ihn das fragen. Warum riskiert ein Karl-Theodor zu Guttenberg seine so aussichtsreiche Karriere, indem er eine Doktorarbeit abgibt, die sich in großen Teilen an den Gedanken und Sätzen anderer bedient hat? Warum ruiniert sich ein Wirtschaftslenker vom Format eines Klaus Zumwinkel seinen Ruf, indem er Steuern hinterzieht?

Die Liste ließe sich fortsetzen. Immer wieder stürzen einzelne Top-Manager und Spitzenpolitiker über moralisch Fragwürdiges, riskieren wegen vermeintlicher Kleinigkeiten ihre Karriere, setzen sich über gesellschaftliche Normen und manchmal auch das Gesetz hinweg. Psychologen haben längst erkannt, was in diesen Extremfällen schief läuft. Nicht speziell bei Guttenberg, Sokol oder Zumwinkel, einzelne Ferndiagnosen verbieten sich. Doch schon vor Jahrzehnten ist die Psyche von fehlgeleiteten Top-Führungskräften zum Forschungsobjekt geworden. Mit teils erschreckenden Erkenntnissen. weiter...

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