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Gábor Jánszky

"Hirndoping wird der neue Trend!"

Gero Lawecki
Denkanstöße auf Rezept: Lässt sich der Geist aufputschen? An Unis und im Büro haben sich Lernpillen längst etabliert. Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky über Doping fürs Hirn.
Gábor Jánszky erforscht die Trends von morgenFoto: © Christoph Busse
Junge Karriere: Herr Jánszky, beim Zukunftskongress vor wenigen Tagen in Halle haben Sie mit 200 Innovationschefs aus der Wirtschaft die Trends der Zukunft erörtert. Als kommenden großen Trend haben Sie Hirndoping prognostiziert. Was bedeutet das genau?
Gábor Jánszky: Neue Studien belegen, dass die Leistungen des Gehirns durch Medikamente nachweislich gesteigert werden können. Die Experten benutzen dafür den Fachbegriff "Neuro Enhancement". Vor allem Studenten nutzen diese Mittel, um sich auf Prüfungen vorzubereiten.
Wer Pillen schluckt, kann besser denken?
Ja, Hirnforschungen in der Neurobiologie haben gezeigt, dass das Gehirn bei Denk- und Lernprozessen verstärkt einen Botenstoff ausschüttet: Dopamin. Je mehr Dopamin, desto erfolgreicher waren die Lernleistungen. Wer also Medikamente nimmt, die die Dopamin-Produktion anregen, kann seine Hirnleistung deutlich steigern: Man ist konzentrierter und wird nicht so schnell müde. Wir sprechen deshalb auch von Neuropushern.

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Wie viele Studenten nutzen denn diese Neuropusher?
Hier in Deutschland fehlt noch eine seriöse Untersuchung dazu. Aber in den USA nutzen inzwischen laut aktuellen Studien 16 bis 25 Prozent aller Studenten vor wichtigen Prüfungen diese Medikamente.
Wie kommt es zu diesem Trend?
Unter amerikanischen Studenten hat sich herumgesprochen, dass Piloten der US-Air Force die Medikamente benutzen, um die Informationsaufnahme ihres Gehirns zu beschleunigen. Diese Information hat sich über soziale Netzwerke wie MySpace sehr schnell verbreitet - auch nach Deutschland.
Aber diese Medikamente gibt es doch nicht frei verkäuflich in der Apotheke.
In den Online-Apotheken können Sie ohne Probleme fast alles bestellen. In den letzten Monaten ist der Verkauf des Parkinson-Medikaments Sinemed und des Medikaments Modafinil gegen die sehr seltene Schlafkrankheit Narkolepsie sprunghaft angestiegen.
Was sagt die Pharmaindustrie dazu?
Von der Pharmaindustrie werden Sie zu diesem Thema vorläufig nichts hören. Das ist denen noch zu heikel. Die Reaktionen in weiten Teilen der Bevölkerung wären ganz sicher negativ. Aber wenn Sie sehen, welche Studien die Pharmaindustrie derzeit mit viel Geld unterstützt, können Sie daraus ihre entsprechenden Schlüsse ziehen: Die Branche nutzt aus, dass die Medikamente auch eingesetzt werden, um die Hirnleistungen zu verbessern. Da tut sich ein neuer Massenmarkt auf, der nicht nur auf Demenzkranke beschränkt ist.
Sie sprechen von Studien, die von der Pharmaindustrie unterstützt werden. Welche?
Ein Beispiel: An der Universität Münster wird die Wirkung von Dopamin auf das menschliche Gehirn untersucht. Gesucht werden Präparate gegen schwache Gehirnleistungen, vornehmlich für SchlaganfallPatienten und Demenzkranke. Getestet wurden aber auch gesunde Studenten. Einer Gruppe wurde Dopamin gegeben, der anderen Gruppe ein Placebo. Dann ließ man beide Gruppen Vokabeln büffeln. All jene, die Dopamin genommen hatten, schnitten hinterher beim Test deutlich besser ab. Ihr Gedächtnis hatte die Vokabeln besser gespeichert. Sie können sicher sein, dass solche Ergebnisse viel Eindruck machen. Da entstehen große Chancen für neue Geschäftsmodelle. Nicht nur für die Pharmabranche, auch für die Foodindustrie.
Inwiefern soll diese daran mitverdienen?
Ganz einfach über neue Produkte. Was halten Sie vom Slogan "Margarine, die Ihre Kinder intelligenter macht" oder "Joghurt, der Ihr Denkvermögen steigert"? Das wären sicherlich nur die Anfänge, aber was glauben Sie, wie sehr sich Eltern dafür interessieren würden. Auch andere Branchen werden sich fragen, wie Menschen ihren Körper weiter verbessern können. Und dass sie das wollen, ist unstrittig. Das wollen sie seit jeher.
Die Verbesserung des Körpers ist demnach ein dauerhafter Trend?
Ja, die Neuropusher stehen nicht allein. Sie sind nur die logische Fortsetzung eines Trends, der seit Jahrhunderten andauert. Ziel ist es, den Körper besser und leistungsfähiger zu machen. Denken Sie an künstliche Kniegelenke, an Zahnprothesen, Haartoupets, an Brustvergrößerungen, an Augenlaser, Ohrringe, Tattoos, Piercings und vieles andere mehr. Oder denken Sie an Doping im Sport. Ein ganz wesentliches Körpermerkmal ist bislang überhaupt noch nicht beachtet: die Stimme. Ich bin sicher, dass hier Produkte entwickelt werden, mit denen wir künftig schönere Stimmen bekommen.

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