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Intrigen

Hinterlistige Machtspiele im Büro

Teil 2

Die Ermittlunen ziehen sich bis Ende 2009. Telefonate werden abgehört, E-Mails ausgewertet, beim LKA die Sonderkommission „Stuhl“ eingerichtet und eine bundesweite Razzia mit 270 Polizisten angeordnet – es entsteht eine 8000 Seiten dicke Dokumentation, die allerdings einen ganz anderen Schluss zulässt: Friedrich H. ist Opfer eines Komplotts.Der angebliche Frankreich-Urlaub entpuppt sich bald als selbst bezahlter -Besuch einer Fischtreppen-Anlage, das Laptop als längst zurückgegeben, und den kostenlos zur Verfügung gestellten Kleinwagen hat die beschuldigte Firma nie besessen. Umso wahrscheinlicher ist, dass der Grünen-Sympathisant Friedrich H. kurz nach dem NRW-Regierungswechsel in Ungnade fiel. Als Umwelt-Überzeugungstäter hatte er zum Unwillen des neuen CDU-Ministers Eckhard Uhlenberg auf eine aufwendige Verbesserung der Wasserqualität der Ruhr gedrängt. Danach nahm die Sache ihren Lauf.Laut dem Online-Portal „Ruhrbarone“ soll der Leiter des Disziplinarreferats die Ermittlungen „befeuert“ haben, „wo er konnte“. Er habe belastendes Material gegen Friedrich H. gesammelt, bis es für eine Kündigung reichte. Kurz darauf tauchten erste Presseartikel auf, Korruptionsanzeige wurde gestellt, die Staatsanwaltschaft Düsseldorf legt die Akte „50 AR 6/06“ an. Allerdings: Den eigenen Korruptionsbeauftragten schaltete das Ministerium nicht ein, obwohl das eigentlich dessen Pflicht gewesen wäre. Die Anschuldigungen stützen sich jedoch nur auf vage Behauptungen, allenfalls Indizien, aber sie genügen, um ein in die Ermittlungen hineingezogenes Unternehmen zu zerstören und Friedrich Hs. Privatleben zu ruinieren.

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Soziales UmfeldIntrigen entwickeln sich in und durch ein soziales und betriebliches Umfeld. Besonders da, wo Menschen anders schwer etwas bewirken können, greifen sie zur Intrige. Wo sie nicht wissen, wie sie ihre Position verbessern können, wo weder Geld und Macht noch Ruhm und Ehre zu erlangen sind, wo Aufstiegs- und Entlohnungskriterien intransparent sind, Hierarchien und Entscheidungsstrukturen unklar oder starr.Intrigenförderlich sind auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen: Der unsicherer werdende Arbeitsmarkt, die dynamisch steigende Staatsverschuldung, die Debatte um die fallenden Renten, alles das lässt die Angst wachsen um den Job und den Betrieb, das Ersparte und die Rente, das Heute und das Morgen.Zusätzlich gibt es meist noch einen -konkreten, letzten Anlass zur Intrige - ein „noch mehr“ und damit „zu viel“. Der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass überlaufen und den Intriganten handeln ließ. Häufig dient auch ein „neu“, oder „anders“, eine radikale Veränderung, eine Neubesetzung oder Umstrukturierung dazu, die Intrige ins Laufen bringen. Während und nach Fusionen und Umstrukturierungen steigt die Intrigengefahr deutlich. Ebenso spielen Ressourcen eine große Rolle: Ist ein wichtiges Gut unsicher oder knapp, so steigt die Konkurrenz darum, egal, ob es um Arbeitsmaterial geht oder um Anerkennung.Überhaupt Anerkennung: Wenn sie durch Managementfehler als knapp gehandelt wird, in ihrer verbalen, formalen oder materiellen Form, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass jemand intrigante Mittel einsetzt. Dabei ist es meist nur schwer möglich, Opfer und Täter, Mittäter und Mitwisser zu unterscheiden.Sehr häufig MännerProminentes Beispiel: Dominique de Villepin. Der französische Ex-Premier habe eine Verleumdungskampagne gegen Nicolas Sarkozy gestartet, hieß es. Villepin wurde 2009 vor Gericht beschuldigt, gefälschte Listen einer Luxemburger Bank weitergegeben zu haben. In diesen Listen tauchten Konten auf, über die Schmiergeld für Rüstungsgeschäfte gezahlt wurde. Angeblicher Profiteur dieser Geschäfte: der derzeitige Premierminister Sarkozy.Erst galt Villepin als Fälscher dieser Listen, dann nur noch als der, der sie weitergegeben hatte, dann als der, der davon wusste und nichts unternahm. Schließlich wurde er freigesprochen, und Sarkozy, das ursprüngliche Opfer, stand nun im Verdacht, mit dem Prozess Rache an einem Rivalen üben zu wollen. Eine Intrigengeschichte mit Potenzial für viele Fortsetzungen, mindestens bis 2012; denn dann wird der Staatspräsident neu gewählt.Intriganten sind ganz normale Menschen, allerdings sehr häufig Männer. Statistisch gesehen ist die Intrigenkompetenz bei Frauen geringer. Denn Frauen neigen weniger dazu, strategisch vorzugehen; sie spekulieren weniger auf einen zukünftigen Nutzen. Außerdem haben Frauen mehr moralische Skrupel, was ihre Lust, Intrigen zu spinnen, eindämmt.

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