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Entwicklungshilfe

Hilfe für Afrikas Wirtschaft

Gero Brandenburg
Der Deutsch-Afrikaner Emanuel Chibesakunda war Ringer, Zehnkämpfer, fuhr Bob und arbeitete als Unternehmensberater. Doch all das reichte ihm noch nicht. Also besann er sich auf seine Wurzeln. Jetzt will er das Land Sambia entwickeln.
Emanuel Chibesakunda pendelt zwischen Deutschland und AfrikaFoto: © Martin Theiss
Es ist Regenzeit im südlichen Afrika. In Solwezi, fünf Stunden Autofahrt von Sambias Hauptstadt Lusaka entfernt, ist der Strom ausgefallen. Die Dunkelheit hält Emanuel Chibesakunda aber nicht auf oder ab. Seinen Vortrag für den nächsten Tag bereitet der 38-Jährige im Kerzenlicht vor. Chibesakunda hat die Situation der Kleinbauern analysiert und Schaubilder vorbereitet. Er ist in seinem Element - fast so wie zu der Zeit, als er Unternehmensberater bei Booz & Company war. Und doch ist es eine andere Welt.Damals saß er in sterilen Büros mit gläsernen Fassaden und sprach zu Managern europäischer Konzerne. Oft ging es dabei um Millionen. Jetzt steht er im afrikanischen Busch und spricht mit sambischen Kleinbauern. Die Investitionssummen betragen nicht mehr als umgerechnet einige Hundert Euro - für Dünger oder Saatgut. Schweine- oder Geflügelzucht? Mais- oder Bohnenanbau? Chibesakunda berät die Kleinbauern in Solwezi auch in solchen Fragen. Die Hilfsorganisation Self Help Africa, finanziert mit Geldern der EU, hat ihn geschickt.

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Selbstverwirklichung in AfrikaDas ist sein neues Leben. Chibesakunda hat es sich so ausgesucht. Weil er in der Heimat seines Vaters etwas bewegen will. Weil er die Wirtschaft in Afrika weiter anschieben möchte. Und anschieben kann er, im wahrsten Sinne des Wortes: Früher war der Deutsch-Afrikaner Anschieber im Bob-Team von Olympiasieger Wolfgang Hoppe. Doch der Reihe nach. Die Unternehmensberatung Booz verlässt er Anfang 2007. Er macht sich selbstständig und gründet die Firma Munich Advisors Group (MAG) mit Büros in München und Lusaka. Mittlerweile hat er insgesamt 14 Mitarbeiter. Booz-Partner Martin Reitenspieß sagt: "Wir hätten ihn gerne weiter an Bord behalten, aber uns war klar, dass es für Emanuel darum ging, sich in Afrika selbst zu verwirklichen. Dafür hatten wir natürlich Verständnis."Seit drei Jahren pendelt Chibesakunda zwischen Deutschland und dem südlichen Afrika. Für Sambia möchte er der Türöffner zur globalen Wirtschaft sein. Er berät Hilfsorganisationen bei Projekten in der Subsahara und knüpft für Konzerne wie HewlettPackard und Apple Kontakte zu sambischen Politikern. Eine Kooperation mit Apple macht es möglich, dass Computer des Software-Konzerns demnächst kostenlos in Schulen in Lusaka aufgestellt werden. Dem sambischen Start-up Southern Biopower, Hersteller von regenerativen Kraftstoffen, half er unlängst beim Markteintritt.Er kennt fast alle wichtigen Politiker und Geschäftsleute in Sambia - er profitiert von seinem guten Namen: Die Chibesakundas gehören seit Generationen zur politischen Oberschicht des Landes. Chibesakundas Vater war Pressesprecher der sambischen Königsfamilie, als das Land 1964 von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Seine Tante ist Bundesrichterin in Lusaka, die Familie groß und bestens vernetzt. Sambia hat ausländische Investoren bitter nötig.

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