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Namen machen Leute
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Wirkung von Familiennamen

Herr König macht eher Karriere

Ferdinand Knauß, wiwo.de
Wer "Kaiser", "König" oder "Baron" heißt, kommt eher auf Führungspositionen als ein "Bauer", "Koch" oder "Schreiber". Denn Familiennamen sind karrierewirksam, belegt eine Studie.
Der Name ist ein Vorzeichen, glaubten die Römer. Nun haben Raphael Silberzahn von der Universität Cambridge und Eric Luis Uhlmann von der École des Hautes Études Commerciales in Paris das bestätigen können: Deutsche Namen wie "Kaiser", "König" oder "Graf" finden sich häufiger auf gehobenen Positionen als "Koch", "Bauer" oder "Zimmermann".

Für die in der Fachzeitschrift "Psychological Science" veröffentlichte Studie, über die das Portal salon.com berichtet, haben die Forscher 222.924 in der Privatwirtschaft beschäftigte Personen mit insgesamt 84 verschiedenen Nachnamen untersucht.

Davon waren elf Namen, die mit Adel assoziiert werden können, zum Beispiel "Baron" oder "Edler", und zum Vergleich eine große Liste von Namen, die gewöhnliche Berufe bezeichnen, zum Beispiel "Jäger" und "Baumann".

Klingende Bezeichnungen

Unter den Trägern von adlig klingenden Namen fanden sie 2,7 Prozent mehr in führenden Positionen als im Durchschnitt zu erwarten gewesen wäre. Bei denen mit "gewöhnlichen" Namen waren es hingegen 1,1 Prozent weniger, als statistisch zu erwarten gewesen wäre.

Je gewöhnlicher die Beschäftigung ist, die die Namen bezeichnen, desto geringer war die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Träger auf führenden Positionen sitzen.

Regionales Phänomen

Der Grund für dieses Phänomen könnte, so vermuten die Wissenschaftler, sowohl die Unterstellung höherer Kompetenz für Träger solcher mit Adel assoziierten Namen sein, als auch ein durch den Namen gesteigertes Selbstbild, das zum verstärkten Drang auf führende Positionen verleitet.

Entscheidend ist natürlich, dass die Bedeutung der Namen allgemeinverständlich ist, und dass Nachnamen im beruflichen Alltag überhaupt verwendet werden. In den USA, wo man sich auch im Büro durchgängig mit Vornamen anspricht, ist das Phänomen nicht zu beobachten.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

Dieser Artikel ist erschienen am 18.10.2013

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