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Immobilienbranche

Hausmaster statt Hausmeister

Ulrike Heitze
Die Immobilienbranche hat sich in den letzten 15 Jahren stark verändert. Kenntnisse in den Bereichen Finanzierung und Investitionen werden immer wichtiger. Für Akademiker ist ein zügiger Aufstieg in der Immobilienwirtschaft noch möglich.
Die Immobilienbranche sucht verstärkt AkademikerFoto: © Gary Walker - Fotolia.com
Vor ein paar Jahren noch kam die Immobilienbranche ganz gut ohne ein ganzes Heer von Akademikern und aufwendigen wissenschaftlichen Theorien aus. Berufserfahrung und Fingerspitzengefühl brachten einen weiter als jedes Diplom, der Wettbewerb war ordentlich, aber nicht mörderisch, und das Geschäft ein weitgehend nationales.Dann jedoch interessierten sich immer mehr internationale Investoren für hiesige Immobilien - für Einkaufszentren, Hochhäuser und große Mietwohnungsbestände. Und weil die Kapitalanleger sich zügig ordentliche Renditen wünschten, stieg der Druck auf alle Beteiligten. Die Margen wurden kleiner, die Konkurrenz belebte das Geschäft. Es wurde rationalisiert, expandiert, fusioniert und konsolidiert. Wissenschaftlich optimierte Kosten- und Erlösmodelle und finanzmathematische Verfahren wurden en vogue und mit ihnen die Akademiker, die gelernt hatten damit umzugehen.

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Der Arbeitsmarkt ist noch nicht gesättigtSo in etwa lässt sich der Prozess beschreiben, der vor 15 Jahren in der Immobilienwirtschaft begonnen hat und der heute in vollem Gange ist. Die Branche, die sich mit der Entwicklung, Produktion, Bewirtschaftung und Vermarktung von Immobilien beschäftigt, professionalisiert sich in einem rasanten Tempo - und setzt dabei immer stärker auf junge Hochschulabsolventen, "die bei entsprechender Leistung schnell aufsteigen können, da die Strukturen längst noch nicht so eingefahren und vorgegeben sind wie in anderen Branchen", sagt Thomas Flohr, Geschäftsführer der auf die Immobilienbranche spezialisierten Personalberatung Bernd Heuer & Partner: "Noch ist der Arbeitsmarkt nicht so überfüllt und gesättigt mit Akademikern wie etwa in der Beratung, der Industrie oder im Konsumgüterbereich."Die Immobilienwirtschaft ist, wenn man sie sehr weit auslegt, einer der größten Wirtschaftszweige. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft, der Uni Mannheim und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, die alle am Bau und am Betrieb von Immobilien Beteiligten zusammenfasst, kommt für 2006 auf 3,8 Millionen Erwerbstätige, 707000 Unternehmen und einen Umsatz von 384 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Fahrzeug- und Maschinenbau kommen zusammen auf 155 Milliarden.Über 100 Milliarden Euro UmsatzZieht man die Bauwirtschaft rund um entwerfende Architekten, Bauingenieure, Straßen- und Tiefbauer sowie Randbereiche wie spezialisierte Unternehmensberater und Immobilienfinanzierer mal ab, so bleiben im engeren Kreis der Immobilienwirtschaft, wo bestehende Gebäude vermietet, vermittelt oder verwaltet werden, immer noch 380000 Beschäftigte, eine viertel Millionen Firmen und 117 Milliarden Umsatz. Egal, wie weit oder eng man die Branche fasst: Sie bleibt ebenso komplex wie kleinteilig. Das Gros der fast 200000 Vermietungsgesellschaften hat deutlich weniger als 50 Wohnungen im Bestand, bei einigen Hundert Unternehmen wie etwa der Gagfah Gruppe oder der Deutschen Annington werden aber auch Bestände von hunderttausend und mehr Wohnungen gemanagt.Bei den Maklern reicht die Palette vom Ein-Mann-Vermittler bis zu Immobilienkonzernen, wie BNP Paribas Real Estate, Engel & Völkers oder Jones Lang LaSalle, die in ihrer Maklersparte mehrere Hundert Mitarbeiter beschäftigen. Unter Gebäudedienstleistern firmieren winzige Firmen, die schlichte Hausmeisterdienste anbieten, ebenso wie Konzerne à la Bilfinger Berger, Strabag oder Dussmann, die die gesamte Dienstleistungspalette vom Einschrauben einer Glühbirne bis zum Managen gesamter Seniorenresidenzen oder Krankenhäuser anbieten. Fondsgesellschaften halten in ihren offenen oder geschlossenen Fonds mal nur einzelne kleine Wohnimmobilienbestände, mal große Gewerbeparks oder Dutzende Mischimmobilien.

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