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Harter Knochen
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Personalführung

Harter Knochen

Christoph Stehr
Autoritär zu sein heißt nicht, Autorität zu haben. Viele Chefs verwechseln das. Sie putzen Mitarbeiter herunter oder entlassen sie vor versammeltem Team – und vergessen, welche Folgen das für den Unternehmenserfolg hat.
"Abel, hör auf, Fotos zu machen. Abel, du bist gefeuert." AOL-Chef Tim Armstrong erhob nicht mal die Stimme, als er jüngst in einer Konferenz den Kreativdirektor des zu AOL gehörenden Nachrichtennetzwerks Patch rauswarf. Zwei Sekunden lang herrschte Schweigen, danach sprach Armstrong weiter, als sei nichts geschehen. Doch die Besprechung, in der Abel Lenz fotografierte, um seine Intranet-Beiträge zum Unternehmensalltag zu bebildern, fand als Telefonkonferenz mit rund 1 000 Mitarbeitern statt.
 
Eigentlich wollte Armstrong diesen Kollegen angesichts von Restrukturierungen Mut machen. Stattdessen machte er ihnen Angst. Wer würde der Nächste sein, den der Konzernchef vor versammelter Mannschaft abserviert? Armstrongs Fortschritte bei der Sanierung von AOL sind unbestritten – genauso unbestritten ist aber sein Ruf, als Chef ein harter Hund zu sein, der so schon viele Mitarbeiter gegen sich aufgebracht hat.

In Deckung bleiben

Seit seiner jüngsten Entgleisung, für die er sich bei Lenz persönlich und bei den übrigen Kollegen mit einem internen Memo entschuldigt hat, macht sich eine Art Lähmung breit – die Mitarbeiter konzentrieren sich statt auf Innovationen lieber darauf, in Deckung zu bleiben und sich abzusichern.

Nach einer Studie der Universität Berlin hängt vielerorts der Firmensegen schief. Unter 4 300 befragten Arbeitnehmern berichteten 20 Prozent von Verhaltensweisen am Arbeitsplatz, die die Wissenschaft als klare Übergriffe einstuft: unmäßige Kritik, öffentliche Beleidigungen, Anschreien, Verleumdung bis zum Rufmord, Fälschen von Arbeitsergebnissen, sexuelle Belästigung.

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