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Marktindex

Handelsblatt-FRAX: Leichter saisonaler Rückgang

D. W. Rudolph, Junge Karriere
Die Zahl der offenen Stellen ist im November leicht gesunken. Der Marktindex Handelsblatt-FRAX fiel von 78,2 auf einen Indexstand von 76,8. Wie ist dieser Rückgang zu interpretieren? Ist der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt für Banking und Finance schon zu Ende?
Der Frax im November 2009
Keine Anzeichen für einen Einbruch
Die Frage, die alle Wirtschaftskommentatoren zur Zeit bewegt, ist die nach dem Ende der Wirtschaftskrise. Sind die neuesten positiven Konjunkturnachrichten nun der Beginn eines kräftigen und lang anhaltenden Aufschwungs, oder müssen wir einen erneuten Einbruch in den nächsten Monaten fürchten? Die letzten Veränderungen des Arbeitmarktindexes Handelsblatt-FRAX zumindest haben eine spürbare Erholung bei den offenen Stellen in Banking und Finance signalisiert. Wie ist aber nun der Rückgang im Monat November auf 76,8 Indexpunkte zu interpretieren? Bevor sich die Bankenkrise auf dem Arbeitsmarkt der Finanzindustrie zeigte war der Index vom Monat Oktober auf den Monat November 2007 um 8,3% gefallen. In diesem Jahr betrug der Rückgang im Monatsvergleich nur noch 1,7%. Es wäre also sicherlich nicht gerechtfertigt, in diesem Rückgang mehr als nur eine saisonale Veränderung zu sehen.
Was ist der Handelsblatt-FRAX?
Der FRAX ist ein neuer Jobmarkt-Index ausschließlich für die rund 700.000 Mitarbeiter der Banken- und Finanzdienstleistungsindustrie. Er zeigt nicht die absoluten Zahlen der offenen Stellen auf, sondern Veränderungen. Dadurch werden Trends ablesbar.

Die besten Jobs von allen

Wer hat den FRAX entwickelt?
Die wissenschaftliche Methodik hat Dr. Dirk W. Rudolph von der Frankfurt School of Finance and Management entwickelt. Der Anstoß ging vom Handelsblatt aus.
Woher kommen die Daten für den FRAX?
Für die Datenbasis werden mehrere Quellen genutzt, dazu zählen zehn Online-Jobbörsen und Jobsuchmaschinen, die nach offenen Stellen abgesucht werden. 
Wie valide ist der Index?
Zahlen suggerieren den Eindruck von zweifelsfreier Präzision. Das kann keine Statistik, kein Index leisten. Der Handelsblatt-FRAX zieht aber im Gegensatz zu den bisherigen Indikatoren eine Vielzahl von Datenquellen für die Berechnung heran, was die Präzision der Schätzung deutlich erhöht.
Warum brauchen wir den FRAX?
Arbeitsmärkte sind extrem intransparent. Keiner in Deutschland weiß, wie viele offene Stellen es für Banker wirklich gibt, nicht einmal die Bundesagentur für Arbeit. Das führt zu Fehlentscheidungen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. 
Welchen konkreten Nutzen bringt der Index?
Ein Beispiel: Ein Arbeitnehmer hat sich weitergebildet. Die Personalabteilung hat ihn dazu ermutigt, jetzt aber, nach dem erfolgreichen Abschluss der Kurse, stellt sich heraus, dass keine internen Stellen frei sind, die den erhofften Aufstieg erlauben. Sollte man also warten - oder sich bei anderen Unternehmen bewerben? Das hängt sehr von der gegenwärtigen Arbeitsmarktlage ab.
Und die verdeutlicht der FRAX?
Ja. Man erkennt, ob es relativ wenige oder relativ viele offene Stellen gibt. Ist der Arbeitsmarkt momentan ungünstig, dann ist das Risiko hoch, doch wieder bei einem Unternehmen zu landen, bei dem die Arbeits- und Karrierebedingungen nicht besser sind. In liquiden Arbeitsmärkten ist das Risiko wesentlich geringer. Dann kann man unter einer großen Zahl von Stellen wählen und entsprechende Forderungen stellen. 
Was kann man aus dem FRAX lernen?
Arbeitnehmer lernen daraus, dass die Liquidität des Marktes für ihr wichtigstes Kapital - ihr Humankapital - ständig schwankt. Für Finanzkapital gibt es die täglichen Werte der Aktienindices. Aber seine Marktgängigkeit konnte bisher keiner im Blick behalten. Diese Lücke füllt der Handelsblatt-FRAX.
Dieser Artikel ist erschienen am 22.12.2009

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