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Unternehmen

H&M arbeitet an einem neuen Image

Jörg Hackhausen
Wer ein Auge für Mode hat und trendbewusst rüberkommt, hat gute Chancen auf einen Job bei Hennes & Mauritz. Denn der schwedische Modekonzern will kräftig wachsen: Neben einer neuen Kollektion mit Madonna setzt H&M künftig auf Kunden mit Geld in der Tasche und auf Online-Shopping.
H&M wirbt zukünftig mit MadonnaFoto: © PR
Mit einem prüfenden Blick betrachtet Nadine Völker ihr Gegenüber. Vor ihr steht der Torso einer Schaufensterpuppe. Jedes Detail der Puppe muss stimmen, selbst die Falten in der Jeans haben an der richtigen Stelle zu sitzen. "Wäre alles vollkommen glatt gebügelt, würde der Torso tot wirken", sagt Völker. Und genau das will sie nicht. Schließlich soll es im Schaufenster der Filiale von Hennes & Mauritz (H&M) in der Kölner Innenstadt möglichst wie im echten Leben aussehen. Nadine Völker arbeitet als so genannte Area Visual bei der schwedischen Bekleidungskette H&M.Sie ist ein lebendes Beispiel für eines der wichtigsten H&M-Prinzipien: "Wer kann, der darf." Jeder Mitarbeiter kann sich theoretisch für jede Position im Konzern qualifizieren: vom Verkäufer zum Filialleiter zum Manager. Oder vom Gestalter zum Controller und zurück. "Bei uns denkt niemand in Hierarchien", sagt Völker. Vor acht Jahren begann sie ihre Ausbildung als Schauwerbegestalterin bei H&M. Heute ist die 30-Jährige verantwortlich dafür, dass alle Filialen im Raum Köln-Düsseldorf gut aussehen.

Die besten Jobs von allen

Madonna-Pulli ohne Fussel Selten sitzt Völker im Büro, meist besucht sie eines der 30 H&M-Häuser in ihrem Gebiet und nimmt Schaufenster und Waren genau unter die Lupe. Fallen ihr Flusen auf der Auslage oder Unordnung in den Regalen auf, bespricht sie mit dem Filialleiter und seiner Mannschaft, wie der Laden attraktiver werden kann. Der kreative Spielraum ist aber nicht grenzenlos. Zum einen müssen sich gestalterische Ideen schließlich immer an Verkaufszahlen messen lassen. Zum anderen macht die Kreativabteilung der Stockholmer Konzernzentrale ganz genaue Vorgaben, wie etwa die neue Kollektion der Pop-Diva Madonna ins rechte Licht gerückt werden muss. Schließlich soll die Präsentation der Kleidungsstücke und Accessoires mit dem Label "M by Madonna" überall auf der Welt einheitlich aussehen.Glamour ziehtMit Kollektionen von Designern und Popstars hat H&M sich schon öfter geschmückt, um sich als Trendsetter zu positionieren. In den vergangenen zwei Jahren arbeitete das Unternehmen etwa mit Karl Lagerfeld und Stella McCartney zusammen. Im Sommer kam erstmals eine Serie in die Läden, die aus der Zusammenarbeit von Madonna mit der H&M-Chefdesignerin Margareta van den Bosch entstanden ist. In der Werbewelt aber wurde die erste Madonna-Kampagne kritisch gesehen. Die Sängerin ist 48 Jahre alt - und damit wohl älter als die meisten Kunden. Doch bei H&M blieb man gelassen. Man wolle nicht allein als Teenie-Marke wahrgenommen werden, sondern baue darauf, dass sich ältere Kunden jugendlich und jüngere Kunden älter kleiden wollen, heißt es.Trendbewusst müssen auch die Mitarbeiter sein. Völker zum Beispiel, die Frau für die Ladenoptik, trägt zur schwarzen Jeans ein weißes Sakko mit schwarzen Längsstreifen und einen schwarz-violett karierten Schal. Verständnis für Mode und Identifikation mit der Marke gehören zur H&M-Unternehmenskultur.Doch nicht nur was hip ist, soll der Kunde bei H&M finden, auch Seriöses und Anspruchsvolles will das schwedische Unternehmen bieten. Im kommenden Jahr startet es mit einer neuen Edelmarke: Collection of Style, kurz CoS. Unter diesem Label soll hochwertige Kleidung zu deutlich höheren Preisen verkauft werden - nicht in den üblichen H&M-Filialen, sondern in eigens dafür hergerichteten Boutiquen. Ein gepflegter Herr wird dann - wie es bei feinen Adressen üblich ist - die Tür aufhalten und die Kunden hineinbitten - hinein in einen großzügigen Laden, in dem jedes Kleidungsstück "Platz zum Atmen" hat. Bekleidung nicht vom Grabbeltisch, sondern dezente Noblesse bis in jedes Detail.Zunächst sind in Deutschland drei Collection-of-Style-Läden geplant - standesgemäß auf dem Kurfürstendamm in Berlin, auf der Düsseldorfer Königsallee und am Neuen Wall in Hamburg, wo es im März losgehen soll.Spanien schlägt SchwedenDer Grund für das Interesse an dieser kaufkräftigen Kundschaft: Mit seinen Marken Zara und Massimo Dutti hat der spanische Modekonzern Inditex die Schweden als Nummer eins verdrängt. Erstmals erzielte Inditex im Jahr 2005 mehr Umsatz als H&M. Edle Klamotten, die hohe Margen versprechen, gibt es bei Inditex schon länger. Auch auf dem wachsenden Markt für Männermode sind die Spanier bereits stärker vertreten. Und im Gegensatz zum schwedischen Konkurrenten kleidet Inditex Damen wie Herren von Kopf bis Fuß ein - Schuhe wird H&M erst im Frühjahr in 200 Filialen ins Angebot nehmen."Es ist verständlich, dass H&M sein Angebot verbreitern möchte. Das Unternehmen will wettbewerbsfähig bleiben und beim Umsatz gegenüber Inditex aufholen", sagt Johannes Siemes, Experte für Textilwirtschaft beim Beratungsunternehmen KPMG. Allerdings dauere es eine Weile, bis sich nach einer strategischen Neuausrichtung die ersten Erfolge abzeichnen. Denn der Kurswechsel kostet Geld und ist mit einer Fülle von Managementaufgaben verbunden.Mit Puste voranWer Puste beweist, kann schnell aufsteigen. "Bei uns herrscht ein hohes Arbeitstempo. Gleichzeitig bieten wir unseren Mitarbeitern tolle Karrierechancen und die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen", sagt Personalchefin Angela Gallenz. Zum Beispiel Steffen Göbel, der gerade als Area Manager - zu Deutsch Gebietsleiter - eingearbeitet wird. Göbel begann im Jahr 1999 als Aushilfe bei H&M im Verkauf. Auf den Geschmack gekommen, entschloss er sich noch im gleichen Jahr zu einer Ausbildung zum Handelsassistenten. Während dieser Zeit ließ man ihn bereits seine eigene Abteilung leiten. Im Anschluss an die Ausbildung wurde er zum Filialleiter in Würzburg befördert. Nebenbei absolvierte Göbel noch an einer Abendschule die Weiterbildung zum Betriebswirt IHK.Zusammen mit Kollegin Nadine Völker gehörte er vor drei Jahren zu den Pionieren, die die ersten Filialen in Polen mit aufbauten. Als Area Manager soll er nun eine Reihe von Filialen beaufsichtigen.

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