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Traditionsunternehmen

Guter Geist für das florierende Geschäft

Claudia Obmann
Industrielle von Bosch bis Zeiss sind Helden von Mangas, Werbespots und Romanen. Viele Unternehmen bemühen sich, den Geist ihrer lange verstorbenen Gründerväter am Leben zu halten - mit positiven Effekten.
Robert BoschFoto: © Gemeinfrei
Neulich sprach der vor 68 Jahren verstorbene Robert Bosch wieder einmal zu seinen Top-Managern. "Keiner soll mit dem Erreichten sich zufrieden geben, sondern stets danach trachten, seine Sache noch besser zu machen", mahnte der Unternehmensgründer seine 17 Geschäftsbereichsleiter. Seine Stimme begleitete ein Knistern. Kein Wunder, kam sie doch von einer Tonkonserve aus dem Jahr 1940. Schräger Totenkult, morbider Charme?Für die Führungsmannschaft des schwäbischen Kfz-Zulieferers nicht. Im Gegenteil. Denn der erste Chef des Weltkonzerns, der mit dieser Rede vor 70 Jahren ein Krankenhaus einweihte, ist auch im Jahre 124 nach Firmengründung noch immer omnipräsent. "Das sind vielleicht etwas altertümliche Formulierungen, aber absolut zeitgemäße Inhalte", sagt Personal-Geschäftsführer Wolfgang Malchow.

Die besten Jobs von allen

Arbeitsverträgen bei Bosch sind Hinweise von Gründer Robert Bosch beigefügt, wie sich Geschäftsführer zu verhalten haben. Boschs Vorgaben zur ethischen Unternehmensführung, Innovationskraft und Qualität seien ein wichtiges Erbe, sagt Malchow. Und das wird an alle inzwischen rund 270 000 Mitarbeiter weltweit vom ersten Tage an weitergegeben. Das Management zeigt sich dabei kreativ: sogar ein elfteiliges japanisches Manga-Comic ist erschienen.Alte Werte neu entdecktErfolgsfaktor "Gründer-Geist"? Ob Konzern oder Familienunternehmen - Erfinder Robert Bosch, der Autopionier Gottfried Daimler, Optik-Spezialist Carl Zeiss mit seinem Kompagnon Ernst Abbe oder Metall-Tüftler Hans Grohe sind überraschend lebendig in der modernen Firmenkultur und offenbar auch gut fürs Geschäft.Soeben erst hat der Autobauer Daimler seinen Gründervater Gottlieb digital wiederbelebt. Im schwarzen Anzug und mit gepflegtem Spitzbart erscheint er im Fernsehen und im Internet. Im neuen Werbespot für Mercedes-Benz verkündet er seinen Leitspruch "Das Beste oder gar nichts". Parallel werden auf dieses neue, alte Leitbild die rund 255 000 Mitarbeiter des Fahrzeugkonzerns eingeschworen. Joachim Schmidt von der Geschäftsleitung der Pkw-Sparte fühlt sich von der Attitüde des Altvorderen angespornt: "Für uns heißt das: Wir wollen in allen Bereichen das Beste liefern - ganz gleich, ob in der Forschung, in der Produktion, im Vertrieb, im Service oder Einkauf."Gründer-Begeisterte vom Azubi bis zum Vorstandsvorsitzenden. Auch Judith Schlegl, Fertigungsplanerin bei Robert Bosch, findet es "faszinierend, dass am Ansinnen unseres Gründers so stark festgehalten wird". Die 30-Jährige hat sich ihren Arbeitgeber bewusst ausgesucht: "Es gibt mir ein gutes Gefühl, in solch einem werte-basierten Unternehmen zu arbeiten. Hier stimmt der Umgang miteinander, das konnte ich schon als Studentin im Praktikum feststellen."

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