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Konsumgüter

Gute Einkäufer dringend gesucht

Claudia Obmann
Einkäufer sind längst keine stummen Bestellzettel-Verwalter mehr. Ihr Einsatzgebiet ist international, erfordert Verhandlungsgeschick und ist in der Krise von strategischer Bedeutung. Auch Quereinsteiger haben gute Chancen bei Henkel, Peek und Cloppenburg und Vodafone.
Juliane Hefel arbeitet im Einkauf bei HenkelFoto: © Emanuel Bloedt
Juliane Hefel scheint in sich zu ruhen. Ihre Lider sind gesenkt, ein leichtes Lächeln umspielt ihre Lippen. Plötzlich schlagen die Lider hoch, blitzen ihre braunen Augen, schieben sich ihre rötlichen Augenbrauen dramatisch zusammen. Auf den gekonnten Augenaufschlag kommt es an. Juliane Hefel übt ihn immer wieder vor dem Spiegel. Aber nicht, um im Café zu flirten, sondern um einem Lieferanten bei Preisverhandlungen wortlos ihre Ungläubigkeit zu signalisieren: "Da muss doch ein besseres Angebot drin sein!" - Und das, obwohl die Henkel-Nachwuchsmanagerin innerlich über die unerwartet gute Offerte ihres Gegenübers grinst.Einkäufer sichern die Liquidität

Die besten Jobs von allen

Schauspielerische Fähigkeiten gehören zum Handwerkszeug erfolgreicher Einkäufer. Schon immer. Aber neben ausdrucksstarker Mimik und verbalem Verhandlungsgeschick benötigen die Beschaffer heute noch weitere Talente und Know-how. Denn in der Wirtschaftskrise, in der in vielen Branchen die Umsätze um bis zu 50 Prozent eingebrochen sind, wird besonders deutlich, dass der Einkauf einer der Hebel ist, um die Liquidität zu sichern. Der Bundesverband für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) hat errechnet, dass Unternehmen in Industriestaaten wie Deutschland nur noch maximal 40 Prozent des Umsatzes selbst erzielen. Den Rest beschaffen Einkäufer. Sie drehen somit direkt an den wettbewerbsentscheidenden Stellschrauben, wenn sie durch günstige Dienstleistungsverträge, energiearmen Transport oder alternative Rohstoffe helfen, Kosten zu sparen.Der Einkauf ist deshalb auch auf die Agenda des Top-Managements und unter den Einfluss des Finanzchefs geraten. Der Einkaufsleiter ist vielerorts vom belächelten "Bestellzettel-Verwalter" zum internen Strategieberater mutiert, der die wichtige Einkaufs- und Logistikkette effizient zusammensetzt, die Beschaffungsmärkte bestens kennt und Risiken einzuschätzen weiß. Mit ihm werden aber auch Sparziele fixiert. Allein die 500 größten Unternehmen in Deutschland sollen durch clevere Beschaffung jährlich 50 Milliarden Euro einsparen können. "Das ist eine Jahrhundertchance. Die Beschaffung kann zeigen, was in ihr steckt", sagt BME-Vorstand Robert Fieten.Zwar sind erst wenige Sparmeister bis in die Managementspitze der Deutschland AG aufgerückt. Gerade mal Volkswagen, Siemens und BMW leisten sich einen eigenen Einkaufsvorstand. Doch "sogar krisengeschüttelte Unternehmen stellen noch Mitarbeiter im Beschaffungsbereich ein, um auf die Kostenbremse zu treten", sagt Michael Strübing, Chef der Frankfurter Personalberatung Percon. Das führt dazu, dass versierte Einkäufer in größerer Zahl gesucht werden, als sie der Arbeitsmarkt derzeit hergibt. "Der Nachwuchs wird knapp", sagt BME-Verbandschef Holger Hildebrandt. Nur bei der Stellenbörse Monster finden sich zum Stichwort "Einkauf" schon 1056 Jobofferten - allein deutschlandweit.Die Palette vakanter Stellen ist ausgesprochen breit, besonders Strategen sind gesucht. Bereits sieben von zehn Einkäufern sind für strategische Aufgaben wie die Optimierung des Lieferantenportfolios, also welche und wie viele Lieferanten, oder die Qualitätssteigerung zuständig. Da strategisches Denken aber eher eine Frage der Persönlichkeit als von Fachkenntnis ist, ist die Einkaufsszene ein bunt gemischtes Trüppchen. Über die Hälfte der deutschen Beschaffer hat zwar einen Hochschulabschluss, stammt aber aus sehr unterschiedlichen Disziplinen: Neben klassischen Kaufleuten wie Katharina Behrenbeck, die als Zentraleinkäuferin für das Modehaus Peek & Cloppenburg als Trendscout unterwegs ist und die Markenstrategie des Hauses mitbestimmt, sind in technischen Branchen vor allem Ingenieure gefragt. Sie sollen mit Produktionskollegen und Lieferanten auf Augenhöhe über kostengünstige Prozesse und Verfahren diskutieren.

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