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Klimagewinner

Grüne Energie treibt die Wirtschaft an

Florian Willershausen
Deutschlands Umweltindustrie macht bald mehr Umsatz als der Fahrzeugbau. Die Pioniere der Branche galten einst als idealistische Spinner. Heute sind viele Weltmarktführer. Junge Karriere fand die grünen Engel, die gegen den Klimawandel kämpfen - und damit ordentlich Geld verdienen.
Der Umsatz für grünen Strom steigt rasantFoto: © Christoph Ruhland - aboutpixel.de
Ein US-Fallschirmjäger ist im Einsatz bis unter den Helm mit Elektronik voll gepackt. Auf der Nase sitzt ein Nachtsichtgerät, im Zielvisier steckt ein Laser, in der Brusttasche ein Mini-Laptop mit Navigationssystem. Mit so viel energiehungriger Hightech müsste der GI eigentlich alle paar Stunden an die Ladestation. Muss er aber nicht. Denn er trägt eine mobile Steckdose mit sich, auf der "made in Germany" steht.Die ersten US-Soldaten werden für Feldmanöver mit hochmodernen Brennstoffzellen ausgestattet, die der deutsche Technologie- und Marktführer Smart Fuel Cell (SFC) hergestellt hat. Sie sind umweltfreundlich, superleicht und laufen wochenlang zuverlässig. Nur ziemlich teuer sind sie, doch das stört die Generäle im Verteidigungsministerium in Washington nicht.Die Grünen lernen laufen 

Die besten Jobs von allen

Für Vorstand Jens Müller, 35, war dieses Projekt wie ein Ritterschlag. "So einen Auftrag vergibt die US-Army auch ganz gern mal im eigenen Land", sagt er lächelnd. "Dass wir den Zuschlag bekommen haben, zeigt uns, wie führend in diesem Feld deutsche Technologie ist." Nicht nur mit der lange totgesagten Brennstoffzelle mischen die Deutschen den Markt auf. Auch mit erneuerbaren Energien, bei der Herstellung verbrauchsarmer Haushaltsgeräte oder umweltfreundlicher Verfahrenstechnik sind deutsche Hersteller wie SFC oft Technologie- und sogar Weltmarktchampions.Jobturbo erneuerbare EnergienDie meisten Firmen, die heute der Umweltindustrie zugeordnet werden, galten vor ein paar Jahren noch als chancenlose Startups, ihre Gründer wurden allenfalls müde belächelt und hatten aus Sicht gestandener Industrieller nichts als Flausen im Kopf. Inzwischen gibt es Prognosen, dass die Umweltindustrie in ein paar Jahren mehr Umsatz machen wird als der Fahrzeug- und Maschinenbau. Das hat Roland-Berger-Berater Torsten Henzelmann ausgerechnet: Auf 1.000 Milliarden Euro Umsatz könnte die junge Branche im Jahr 2030 kommen; dem Fahrzeugbau wird für das gleiche Jahr nur ein Umsatz von 570 Milliarden Euro prognostiziert. Auch auf dem Arbeitsmarkt wird sich dieser Trend bemerkbar machen. Allein durch erneuerbare Energien sollen in 25 Jahren mehr als eine halbe Million Jobs entstehen. Henzelmann: "Die grüne Industrie ist ein Jobmotor, der allmählich auf Hochtouren läuft." Sie ist der große Profiteur des Klimawandels.Zu den Gewinnern zählen Elektrotechnik-Unternehmen wie Miele, die ihre Waschmaschinen verbrauchsarm und langlebig bauen - und damit schon ewig Werbung machen. Möglich, dass den Kunden im Zeichen des Klimawandels auch ein paar Hundert Euro Mehrpreis, den sie für eine Miele-Maschine gegenüber Billigprodukten bezahlen müssen, egal sind. Profitieren werden auch Heizungsbauer, die alte Öl- und Gasheizungen vermehrt auf erneuerbare Energien umstellen können. Oder Bauunternehmen, die neue Bewässerungssysteme oder Kläranlagen hochziehen. Und natürlich die Hersteller erneuerbarer Energiesysteme.Wind als treibende KraftEnercon hat lange auf eine frische Brise Aufschwung gewartet. Als Stefan Lütkemeyer 1996 bei dem Windenergieunternehmen einstieg, war er Vertriebsmitarbeiter Nummer zwei. Da gab es das Unternehmen schon zwölf Jahre. Damals gehörte es zum Job der Anlagenbauer, mit Bürgerinitiativen und Rechtsanwälten zu kämpfen, wenn Enercon auf einem Dorfhügel eine Windkraftanlage errichten wollte. Seit Ende der 90er Jahre ist Windkraft politisch gewollt - und gesetzlich gefördert. Das brachte Enercon Wind unter die Flügel. Heute ist Lütkemeyer, 41, Chef von 100 Vertriebsleuten, die rund um den Globus Windräder verkaufen. Die Ostfriesen haben mehr als 11.000 Anlagen aufgestellt, und das ist erst der Anfang: "Wir sind auf einem gigantischen Markt aktiv", sagt Lütkemeyer, "die Nachfrage ist einfach viel größer als das Angebot." Und Windkrafttechnologie kommt heutzutage entweder aus Deutschland oder aus Dänemark.Die größte Herausforderung für Enercon ist das Wachstum. In den letzten zwei Jahren haben die Auricher je um ein Viertel an Umsatz zugelegt. Doch nun, ausgerechnet mitten im Aufschwung, werden Ressourcen knapp: Stahl, Bauteile, Fachkräfte. "Wir wollen uns nicht verzetteln", sagt Lütkemeyer. Er kann keine Aufträge annehmen, wenn nicht genug Konstrukteure im Haus sind. Und viele gute Ingenieure muss er auch erst mal nach Ostfriesland locken.Karriere mit Solarenergie Auch wenn sie heute nicht mehr belächelt werden - in der Umweltbranche findet sich oft derselbe Unternehmertyp: der idealistische Visionär mit Mut zum Risiko, voller Tatendrang, mit starkem Willen und oft auch einer Portion Idealismus. Bernhard Beck musste einmal zusehen, wie die Ernte des Bauernhofs seines Vaters vertrocknete. 1999 war das, ein heißer Sommer im Fränkischen. Beck war damals 21, studierte Medientechnologie und dachte nach, wie er seinem Vater helfen könnte. Irgendwie kam er auf das Thema Solarenergie - und legte los. Heute ist Bernhard Beck 29, Geschäftsführer von Beck Energy und baut in ganz Europa Solarkraftwerke. 22 Anlagen hat er hierzulande aufgestellt, allesamt im sonnenreichen Bayern und in Baden-Württemberg. Inzwischen wurde in Spanien das erste Werk eingeweiht, auch Italien, Portugal und Griechenland hat der Unternehmer im Visier. Das Studium hat er längst hingeworfen. Stattdessen beschäftigt er 85 Mitarbeiter, schon in ein paar Monaten sollen es mehr alshundert sein.

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