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Deutsche Gründer sind mit der Politik unzufrieden.
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Gründer in Deuschland

Undankbar. Unzufrieden. Unersättlich.

Teil 2: Kritik statt Anerkennung

Doch die Anerkennung bleibt aus: Deutschlands Start-up-Gründer bewerten die Bundesregierung laut dem Startup Monitor im Schnitt mit der Schulnote "ausreichend" und sogar etwas schlechter als noch im vergangenen Jahr. Etwa die Hälfte attestiert ihr ein ungenügendes oder mangelhaftes Verständnis für Start-ups – obwohl alle möglichen Minister und Abgeordneten in den vergangenen Jahren Ausflüge in die Welt der Gründer unternommen haben, mit ihnen ins kalifornische Silicon Valley gereist sind, sich auf Messen wie der Cebit regelmäßig deren Ideen zeigen und deren Sorgen schildern lassen und obwohl das Wirtschaftsministerium mit dem Beirat Junge Digitale Wirtschaft den Start-up-Gründern ein Forum unter seinem Dach geschaffen hat. Dafür bekommt die Politik zwar höflichen Applaus von den beteiligten Gründern, an der grundsätzlichen Einstellung in der Start-up-Szene aber ändert das offensichtlich nichts.

Stattdessen gibt es Kritik, etwa an den Gesetzen und Regelungen, die jungen Unternehmen das Leben schwer machen. Der Abbau von regulatorischen und bürokratischen Hürden ist der größte Wunsch der Gründer an die Politik. Doch gleich danach geht es um Geld: Die Jungunternehmer erwarten Steuerreduktionen, noch mehr Hilfe bei der Beschaffung von Kapital und Unterstützung für Wagniskapitalgeber. Viel Geld vom Staat zu bekommen hält sie offenbar nicht davon ab, noch mehr von ihm zu fordern.

Spezielle Angebote der Bundesregierung werden kaum in Anspruch genommen

Das ist insofern verwunderlich, weil einige Angebote der Bundesregierung weniger stark nachgefragt werden als erwartet. Ein gutes Beispiel ist der Investitionszuschuss Wagniskapital, genannt Invest. Private Kapitalgeber bekommen dabei 20 Prozent ihrer Investition steuerfrei erstattet, wenn sie sich mit mindestens 10.000 Euro an einem Start-up beteiligen. Das soll ihnen den Einstieg erleichtern – und den Jungunternehmern helfen, sogenannte Business-Angels zu finden. Doch das gelang langsamer als erhofft: Seit dem Start des Programms wurden deutlich weniger Mittel abgerufen, als im Haushalt bereitgestellt waren. Mitunter sind also mehr die Gründer und ihre Geldgeber gefordert als die Behörden, die sie zusammenbringen sollen.

Die Politik tut gut daran, den Start-up-Gründern Gehör zu schenken, Bürokratie abzubauen, alte Regeln zugunsten innovativer Geschäftsmodelle zu überdenken, ihnen die Suche nach Mitarbeitern aus dem Ausland zu erleichtern. Aber es wäre falsch, dort noch mehr Geld bereitzustellen, wo private Geldgeber gefordert sind – das würde falsche Anreize setzen.

An der Einstellung der Gründer zur Politik würde es vermutlich auch nicht viel ändern. Start-up-Entrepreneure tragen eben nicht nur Hoodies und mögen Mate, sie sind auch schlecht auf Politiker zu sprechen. Das gehört zu ihrem Selbstverständnis wohl dazu.


Zuerst veröffentlicht auf: zeit.de
Dieser Artikel ist erschienen am 17.11.2016

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