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Wer seine eigene Unternehmensvision umsetzen möchte, braucht umfangreiches Know-how.
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Firmengründung

Mit Selbstvertrauen Ziele verwirklichen

Susanne Lauer, wiwo.de
Wer junge Firmen nicht nur in der Höhle der Löwen ansehen, sondern seine eigene Unternehmensvision umsetzen möchte, braucht umfangreiches Know-how. Doch wie tief muss das Fachwissen reichen? Basis-Handbuch oder solides Entrepreneurship-Studium? Daniel Markgraf erklärt, welche Expertise Gründer mitbringen sollten, damit das Projekt Start-up 2017 Erfolg hat.
Immer wieder bescheinigen uns Studien und Politiker die mangelnde Gründungsbereitschaft in Deutschland. Und diese kommt nicht von ungefähr: Wie eine Studie der Universität Hohenheim herausfand, sind die Deutschen schulischen oder beruflichen Misserfolgen gegenüber zwar generell tolerant. Aber ein Gründer, der mit seinem Start-up einmal scheiterte, verliert ihr Vertrauen. Der Druck auf deutsche Entrepreneure ist also groß, nicht erst aus ihren Fehlern zu lernen, sondern möglichst viel Expertise schon vorab in ihr Projekt Firmengründung einzubringen.


Was muss ein Gründer an Wissen mitbringen, um sein Unternehmen zum Erfolg zu führen?

Daniel Markgraf: Ein Gründer muss zunächst einmal für sein Produkt oder seine Dienstleistung brennen. Niemand sollte ein Unternehmen gründen in der Illusion, so schnell reich und der nächste Mark Zuckerberg zu werden. Wichtig ist eine tiefe Leidenschaft für die eigene Idee – aber auch der Realitätssinn, dass man sich auf ein sehr kräftezehrendes Projekt einlässt.

Gibt es geborene Gründertypen?


Zur Person

Prof. Dr. Daniel Markgraf ist Entrepreneurship- und Marketing-Professor an der Stuttgarter Fernhochschule AKAD University sowie Mitgründer des Online-Portals Unternehmenswelt.de und Aufsichtsratsmitglied der Gründerberatung Foundervision.

Vor einigen Jahren habe ich eine Studie über den "Einfluss von Persönlichkeit und Wissen auf den Unternehmenserfolg" durchgeführt und gelernt: Der Gründer selbst ist tatsächlich der wichtigste Faktor für den Erfolg eines Startups. Das betriebswirtschaftliche Know-how bildet den Werkzeugkoffer für die Gründung – umsetzen, mit Leben füllen und weiterentwickeln muss sie der Gründer selbst.

Ohne BWL-Studium geht es also nicht?

Ohne betriebswirtschaftliche Basics kommen Sie nicht weit. Das kann ich im Hinblick auf meine Erfahrung bei der Betreuung junger Gründer definitiv bestätigen. Obwohl man die "BWL-Spießer" an der Uni früher vielleicht milde belächelt hat, brauchen Gründer nicht zuletzt eine große Bereitschaft zu lernen, sich weiterzubilden und sich auch betriebswirtschaftliches Know-how anzueignen.

Was muss ein angehender Gründer auch ohne BWL-Studium auf jeden Fall können?

Was man auf jeden Fall mitbringen sollte, ist solides Basiswissen in Projektmanagement, Marketing, Personalwesen, Qualitätsmanagement sowie Investitionen und Steuern. Das klingt anspruchsvoll, und das ist es auch: Im Idealfall ist ein Gründer ein BWL-Allrounder. Denn gerade in der Anfangszeit seiner Selbständigkeit sollte und muss er er – mangels Mitarbeiter – einen Großteil der Aufgaben selbst übernehmen können. Später muss er zumindest die Aufgaben, Ziele und Maßnahmen vorgeben, übergeben und die Umsetzung in den Fachabteilungen beurteilen können. Nicht zuletzt sollte er auch einem Gründungsberater oder Investor gegenüber darstellen und gut argumentieren können, weshalb diese Ausgabe ein sinnvolles Investment ist und jene nicht.

Genügen ein solides BWL-Wissen und die richtige Persönlichkeit für den Erfolg eines Start-ups?

Die Liste geht leider noch weiter: Sie müssen sich ein breites Netzwerk aus anderen Gründern, aber auch Investoren und Banken aufbauen. Mit diesen Parteien sollten Sie regelmäßig an einen Tisch kommen – nicht erst dann, wenn es um die nächste Investitionsrunde geht. Es ist ganz essenziell, dass man ein gemeinsames Verständnis schafft, eine Basis, auf der man gut zusammenarbeiten und voneinander lernen kann. Für den Gründer sind diese Personen außerdem wichtige Multiplikatoren.

Wo trifft man solche Multiplikatoren?

Businessplan-Wettbewerbe oder Startup-Weekends sind dafür bewährte Plattformen. Der Austausch muss nicht immer vor Ort stattfinden, wo man heute per Video-Chat sogar gemeinsam an einem Businessplan feilen oder ein Online-Seminar besuchen kann, ohne extra von Hamburg nach München zu fliegen. Wichtig ist, dass Sie überhaupt in Dialog treten. Am besten bei einem bunten Blumenstrauß aus Wettbewerben, Netzwerkveranstaltungen und zielorientierten Weiterbildungen. Je mehr, desto besser!


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 06.01.2017

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