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Jeder dritte Mitarbeiter kommt aus dem Ausland
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Deutsche Start-ups

Internationalisierung auf dem Vormarsch

Kerstin Dämon, wiwo.de, dpa
Deutsche Start-ups blühen in Berlin und Hamburg, in München, Stuttgart, Frankfurt und dem Ruhrgebiet. Ihre Mitarbeiter kommen häufig aus ganz Europa. Denn ohne Zuwanderung könnten viele ihre Stellen nicht besetzen.
Die deutsche Start-up-Szene ist weiter im Wandel. Auch wenn Berlin weiterhin "Leuchtturm" der Szene bleibe, gewinne das gesamtdeutsche Start-up-Ökosystem an Reife, heißt es im 5. Deutschen Start-up Monitor, den die Universität Duisburg-Essen und die Unternehmensberatung KPMG unter Leitung des Deutschen-Start-up-Verbands in Berlin vorgestellt haben. Dafür wurden 1837 Start-ups, 4245 Gründer und deren 19.913 Mitarbeiter befragt beziehungsweise analysiert. Der Deutsche Start-up Monitor wolle Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung eine Orientierungshilfe geben, um die Bundesrepublik als Gründerstandort zu stärken, sagte Florian Nöll, Vorsitzender des Startup-Verbands.

Bildung als Grundpfeiler

Eines der Ergebnisse: Wer Start-ups fördern will, muss in Bildung investieren. Die deutliche Mehrheit der Gründer hat ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Nur 2,3 Prozent der Gründer haben einen Haupt- oder Realschulabschluss. 36,9 Prozent sind Wirtschaftswissenschaftler, 20,2 Prozent Informatiker, Mathematiker oder IT-Experten, 18,3 Prozent sind Ingenieure. Und: Der deutsche Gründer ist männlich. Der Frauenanteil liegt bei unter 15 Prozent.

Damit das klappt, müsse die Politik die deutsche Start-up-Szene aber erst einmal kennen. Darum soll der Start-up-Monitor Licht ins Dunkel bringen.

Mitarbeiter aus dem Ausland sind wichtig

Die Mitarbeiter der deutschen Start-ups sind da deutlich diverser – und zwar nicht nur, was das Geschlecht anbelangt. Knapp 64 Prozent der Start-ups erklärte, dass sie von der Zuwanderung aus dem Ausland profitieren. 29,6 Prozent der Mitarbeiter haben keine deutsche Staatsangehörigkeit, in Berlin sind es sogar 47,7 Prozent. "Ohne Mitarbeiter aus dem Ausland würden wir gar nicht existieren", sagte Tom Kirschbaum vom Start-up Door2Door, in deren Räumen die Ergebnisse des Monitors vorgestellt wurden. Zwei Drittel der Mitarbeiter stammten nicht aus Deutschland. Das sei für viele junge Firmen eines der größten Probleme, bestätigte Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD).

Die ausländischen Mitarbeiter erfüllen in den Start-ups eine wichtige Funktion als Marktkenner. Denn 82,7 Prozent der befragten Start-ups wollen ihr Geschäft weiter internationalisieren. Dabei steht bei mehr als einem Drittel Europa im Fokus: Unter 34,4 Prozent von ihnen gelten vor allem die anderen EU-Länder als attraktivstes Ziel. Hier sei die Rechtsangleichung in Europa eine große Aufgabe der Politik, sagte Zypries.

Noch hat allerdings jedes dritte Start-up Schwierigkeiten bei der Neueinstellung ausländischer Mitarbeiter durch bürokratische Hürden.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 20.10.2017

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