Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Die Bürokratie in Deutschland kostet Gründer Zeit und Nerven
Foto: rudall30 / Fotolia.com
Start-ups in Deutschland

Im Kampf mit der Bürokratie

Wiwo.de, dpa
Die KfW hat bei Gründern und Start-ups nachgefragt: Wie kommen sie mit der Bürokratie zurecht? Gar nicht gut, sagt jeder Dritte. Zwei Stunden pro Woche schlagen sie sich mit Versicherungen, Steuern & Co herum.
Berufshaftpflichtversicherungen, Auflagen vom Gesundheitsamt, Fördergelder beantragen und Steuern zahlen: Wer ein Unternehmen gründet, hat nicht nur mit Businessplänen und Rechnungen zu tun, sondern auch mit einer ganzen Menge Papierkram. Für viele Jungunternehmer ist die deutsche Bürokratie ein Buch mit sieben Siegeln, wie eine Umfrage der staatlichen Förderbank KfW zeigt. Demnach ist der Papierkram für Gründer in Deutschland die größte Belastung.

Jeder dritte Existenzgründer nimmt administrative Regelungen und Pflichten als Schwierigkeiten wahr – und wendet nach eigenen Schätzungen etwa zehn Prozent, mindestens aber zwei Stunden, der wöchentlichen Arbeitszeit für den Schreibkram auf.

Sobald das junge Unternehmen wächst und Angestellte dazu kommen, steigt der Aufwand: Arbeitszeiterfassung, Meldepflichten, Gehälter, Versicherungen, Renten und die Anmeldung von Minijobs fressen Zeit. Besonders häufig bemängeln Gründer den Angaben zufolge die Komplexität der Besteuerung sowie den Aufwand für Anmeldungen und Registrierungen, zum Beispiel für den Eintrag ins Handelsregister beim Amtsgericht oder Meldungen beim Finanzamt.

Wenn Gründer scheitern, dann liegt es nicht an der Bürokratie

Häufig wünschen sie sich gebündelte und möglichst digitale Behördenkontakte. "Behördengänge ließen sich durch Online-Angebote vermeiden, Meldepflichten könnten automatisiert abgewickelt werden. Für den großen Wurf wären aber bundesweite Mindeststandards und eine einheitliche IT-Infrastruktur notwendig", mahnte Zeuner.

Als weitere Schwierigkeiten nannten Gründer familiären Belastungen, die Akquise von Aufträgen sowie konjunkturelle und finanzielle Risiken der Selbstständigkeit.

Die gute Nachricht: "Bürokratie kostet Gründer zwar Zeit und Nerven, deshalb werden aber kaum Gründungsprojekte abgebrochen oder Gründungspläne in der Schublade gelassen", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Wenn Start-ups scheitern, dann wegen der Finanzierung, zu geringen Einkünften oder weil dem Gründer auf einmal der lukrative Traumjob angeboten wird. Projekte würden vor allem wegen attraktiver Jobalternativen oder unbefriedigender Ertragslage wieder abgebrochen, nicht wegen zu viel Bürokratie.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 26.07.2017

Themen im Überblick