Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Zum Staffelstart der Gründer-Show
Die Löwen (v.l.): Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Frank Thelen, Jochen Schweizer und Ralf Dümmel.Foto: VOX / Benno Kraehahn
Die Höhle der Löwen

"Gründer dürfen nicht träumen, sondern müssen hart arbeiten"

Teil 3: Erfahrene Mentoren als Teil des Erfolgsrezeptes

Inwieweit sind Mentoren wie Sie entscheidend für den Erfolg einer Idee?

Thelen: Für mich sind sie das essenzielle Erfolgsrezept. Start-ups, die eng mit erfahrenen Experten zusammenarbeiten, haben eine größere Chance.

Investieren Sie bei der "Höhle der Löwen" wirklich Ihr eigenes Geld?

Thelen: Ja.

Angeblich sind bislang von 35 Deals im Nachhinein 26 gescheitert …

Thelen: Beide Seiten müssen daran arbeiten, dieses Verhältnis zu verbessern. Aber es werden immer Deals scheitern, da wir in der Sendung keine komplette Prüfung durchführen können. Und wenn ich zuerst 250.000 Euro verspreche, um hinterher festzustellen, dass viele Angaben des Gründers nicht stimmten – dann gebe ich ihm sicher nicht mein Geld.

An wie vielen Unternehmen sind Sie eigentlich insgesamt beteiligt?

Thelen: Insgesamt sind es 15 Unternehmen.

Maschmeyer: Genauso, wie wir die Höhe unserer Investments noch nicht vor Ausstrahlung öffentlich machen dürfen, möchte auch der Sender bis zum Schluss die Spannung hochhalten. Deswegen äußere ich mich auch nicht über die Anzahl der Beteiligungen. Aber so viel kann ich verraten: Es kommen einige neue dazu.

Und wie behält man da den Überblick? Schreiben Ihnen die Unternehmer jede Woche eine Mail, wie es gerade so läuft?

Thelen: Anfang des Jahres habe ich meinen CEO-Posten bei Scanbot abgegeben. Seitdem fokussiere ich mich nur noch auf die Unternehmen und investiere jede verfügbare Minute. Von den insgesamt 15 befinden sich vier in der frühen Aufbauphase. In dieser Phase schreibe oder telefoniere ich so gut wie täglich mit den Gründern. Um sie optimal zu unterstützen, braucht es viel Zeit. Wir entwickeln zusammen Marketingkonzepte, ich spreche mit potenziellen Werbepartnern, oder wir optimieren die Webshops.

Maschmeyer: Gemeinsam mit meinem Team stehen wir im intensiven Austausch mit den Gründern. Ich besuche die Unternehmen regelmäßig, wir telefonieren häufig und schreiben uns SMS oder E-Mails. Dadurch bin ich bei den meisten Unternehmen sehr nah dran und stecke tief in den Themen.

Wenn Geld nicht mehr die Hauptmotivation ist – ist die Beteiligung an Unternehmen dann so eine Art Zockerei?

Thelen: Mir macht es Spaß, große Konzerne herauszufordern. Das treibt mich an. Es hat eine gewisse Magie, mit einem kleinen Team, das Tag und Nacht arbeitet, die Etablierten in den Hintern zu treten. Das ist für mich wie eine Droge. Natürlich machen mich die Misserfolge fertig, aber die Erfolge sind umso schöner.

Maschmeyer: Es geht nicht ums Zocken. Es macht vor allem Spaß, seine eigenen Erfahrungen an junge Gründer weiterzugeben. Außerdem haben sich in einer Welt ohne Zinsen die Regeln für Vermögende geändert. Sie müssen sich entweder an Unternehmen beteiligen, Aktien kaufen oder Immobilien erwerben. Ich bin Unternehmer durch und durch. Und wenn es Spaß macht, kommt als Folge oft auch der wirtschaftliche Erfolg.

Sie könnten aber auch einfach das Leben genießen.

Maschmeyer: Urlaub ohne Ende ist nichts für mich. Nachdem ich mein Unternehmen an Swiss Life verkauft hatte, habe ich das mal ein halbes Jahr lang genossen. Aber wenn man sich morgens nach dem Frühstück nur noch fragt, ob man nun zuerst ein Buch liest und danach joggen geht oder umgekehrt – dann wird das relativ schnell langweilig.

Und was wird das nächste große Ding?

Thelen: Ich tippe auf Lilium Aviation. Das Start-up baut einen Privatflieger mit Elektroantrieb. Ein höchst komplexes Projekt – aber wenn es klappt, wird es die Art verändern, wie die Menschen von A nach B kommen.

Maschmeyer: Ich tippe auf den Bereich Fintech, Biotech, Internet of Things oder Share Economy. Aber wir werden sicherlich auf einem ganz anderen Gebiet überrascht. Umso wichtiger also, dass man offen bleibt und mit vielen Gründern redet. Da stimmt das Sprichwort: Man muss erst 1000 Frösche küssen, bevor man die Prinzessin findet.

Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 24.08.2016

Themen im Überblick