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Kontrolleure des Dax

Große Namen, aber kaum Experten

Hans-Jürgen Klesse, Jürgen Berke, Michael Kroker und Andreas Wildhagen | wiwo.de
Die Kontrolleure der Dax-30-Unternehmen sind besser als ihr Ruf. Es gibt aber jede Menge Mängel: zu viele große Namen und Funktionäre, zu wenig Experten, Frauen und Ausländer. Das zeigt eine exklusiv für die WirtschaftsWoche erstellte Studie.

Foto: Gerd Altmann/AllSilhouettes.com /Pixelio

Nur Abnicker?

Was ist der Unterschied zwischen einer Hundehütte und einem Aufsichtsrat? Die Hundehütte ist für den Hund, der Aufsichtsrat ist für die Katz. Das für Unternehmenskontrolleure nicht sehr schmeichelhafte Bonmot stammt von Hermann Josef Abs, in den Fünfziger- und Sechzigerjahren Chef der Deutschen Bank.

Mit zeitweise 30 Aufsichtsratsmandaten – davon 20 als Vorsitzender – war Abs in den Aufbau- und Wirtschaftswunderjahren der wohl einflussreichste Banker und mächtigste Strippenzieher der jungen Bundesrepublik.

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Was für Abs als Multi-Aufsichtsrat vermutlich weniger zutraf, beschreibt noch heute einen der Hauptkritikpunkte: Laufen die Geschäfte gut, so der Vorwurf, nicken die Aufsichtsräte ab, was der Vorstand beschließt. Geht etwas schief, weil das Management sich verkalkuliert oder zu hoch gepokert hat, sind Aufsichtsräte in der Regel so überrascht wie Belegschaft oder Öffentlichkeit und reden sich damit raus, sie hätten nicht genug gewusst oder sich auf den Sachverstand des Vorstands verlassen.

Ohne ethischen Kompass

Die Gründe sind vielfältig: Entweder fehlt Aufsehern der Durchblick, sie lassen sich von falsch verstandenem Korpsgeist leiten oder sind Opfer eines Interessenkonflikts, etwa weil das eigene Unternehmen Geschäfte mit dem zu kontrollierenden Vorstand macht.

Manchmal fehlt auch die nötige Distanz. So endeten beim Stromkonzern Eon die Sitzungen bis zur Atomkatastrophe in Japan im März 2011 mit ein paar Runden Billard mit dem Vorstand.


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