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Körperhaltung und Glück
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Körperhaltung beeinflusst Zufriedenheit

Glücklich durchs Leben gehen

Ferdinand Knauß, wiwo.de
Die Stimmung beeinflusst die äußere Erscheinung. Aber es kann auch andersrum gehen, wie psychologische Versuche zeigen.
Schauspieler und Fernsehmoderatoren müssen das draufhaben. Selbst wenn gerade der Hund gestorben ist, die Frau die Scheidung eingereicht hat oder das Haus abgebrannt ist, können sie den Glücklichen spielen und gute Laune verbreiten. Vermutlich könnte sie diese Fähigkeit tatsächlich weniger anfällig für Depressionen machen. Das legen zumindest aktuelle psychologische Forschungen nahe.

Ob jemand glücklich und zufrieden ist, sieht man meist schon am Gang. Schneller Schritt und aufrechter Oberkörper sind allgemein verständliche Signale dafür. Wer schlurft und den Kopf hängen lässt, sieht dagegen im Wortsinne niedergeschlagen aus. Die Körperhaltung folgt also in der Regel der seelischen Verfassung.

Qualität der Bewegung

Dass es aber auch umgekehrt laufen kann, haben jetzt Psychologen in einer Studie festgestellt, die im Fachmagazin "Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry" veröffentlich wurde. Dass man durch bestimmte Aktivitäten die eigene Stimmung verändern kann, ist vielfach belegt.

Zum Beispiel ergaben Versuche, dass es glücklich macht, sich auf dem Weg zur Arbeit mit anderen Menschen zu unterhalten. Gut belegt ist auch, dass mehr Bewegung Depressionen eindämmen kann. Die Psychologen um Johannes Michalak von der Universität Witten-Herdecke haben nun getestet, ob nicht nur die Quantität der Bewegung, sondern auch die Qualität einen psychischen Effekt ausüben kann.

Stimmungsveränderungen

Michalaks Versuchspersonen, 39 Studentinnen und Studenten ohne bekannte psychische Erkrankungen oder psychologische Kenntnisse, sollten vorgegebene Strecken auf dem Laufband in gleicher Geschwindigkeit einmal im typischen glücklichen Gehstil und dann im unglücklichen absolvieren. Ein an die Maschine angeschlossener Bildschirm gab dabei vor, wie sie sich jeweils zu bewegen hatten – ohne ihnen mitzuteilen, dass dies nun ein glücklicher oder unglücklicher Stil sei.

Daraufhin wurden in psychologischen Tests ihre Stimmungsveränderungen festgehalten. Zu diesem Zweck hatte man mit den Probanden während des Gehens jeweils über positive und negative Dinge gesprochen. Nach den Gängen hielt der Psychologe fest, ob sich die Studenten eher an die positiven oder die negativen Themen erinnerten.

Starke Schauspieler

Die Auswahl der Erinnerung gilt als verlässliches Indiz für die seelische Stimmungslage eines Menschen. Das Ergebnis sei, so Michalak, eindeutig gewesen: Wer "glücklich" gegangen war, erinnerte sich tendenziell eher an die positiven Themen – und umgekehrt.

Michalak hatte bereits in einer vorangegangen Studie mit 30 depressionskranken Probanden festgestellt, dass diejenigen, die zuvor in einer für Depressionen typischen, eingefallenen Haltung gesessen hatten, sich später besser an negative Worte erinnerten als andere Depressive, die aufrecht gesessen hatten. Der Forscher will nun prüfen, ob das bewusste Schauspielen von "glücklichem" Verhalten möglicherweise zur klinischen Therapie von Depressionskranken eingesetzt werden könnte.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 04.12.2014

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