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Die wirtschaftliche Gleichstellung von Männern und Frauen ist noch immer weit entfernt.
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Gender Gap Report

Gleichstellung bleibt weiterhin Zukunftsmusik

wiwo.de, dpa, Stephan Happel
Die wirtschaftliche Gleichstellung von Männern und Frauen ist noch immer weit entfernt. Das geht aus einer Studie des Weltwirtschaftsforums hervor. Wie Deutschland abschneidet – und welche Länder schon weiter sind.
Die Gleichstellung von Frauen und Männern bleibt weltweit noch für lange Zeit eine Vision. Nach dem jüngsten Gleichstellungsbericht des Weltwirtschaftsforums (WEF) hat sich die ökonomische Kluft zwischen den Geschlechtern zuletzt sogar wieder weiter geöffnet. War das WEF noch im vorigen Jahr davon ausgegangen, dass es bis zum Jahr 2133 dauern könnte, die Schere zu schließen, gehen die Experten jetzt von einem Zeitraum von 170 Jahren aus.

Das WEF untersucht einmal jährlich, wie es um die Chancen von Frauen im Vergleich zu Männern bestellt ist – zugrunde gelegt werden vier Kategorien: Gesundheit und Lebenserwartung, Bildung, Teilhabe an politischen Ämtern sowie Einkommen und Vertretung im Management. Die Kluft wird vom WEF mit 59 Prozent beziffert, so schlecht wie seit 2008 nicht mehr. Den Rückschritt erklären die Experten unter anderem damit, dass Frauen weltweit weiterhin zum Teil deutlich weniger verdienen als Männer. "Die Zahl von Frauen in Führungspositionen bleibt ebenfalls hartnäckig gering."

Geht es um die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern, können offenbar alle Nationen von Island lernen. Im Gesamtranking, das alle vier Kategorien zusammenfasst, landen die Isländer wie schon in den Vorjahren dem ersten Rang. Laut WEF-Studie ist die Lücke zwischen Männern und Frauen zu 87 Prozent geschlossen. 

Der Norden Europas liegt vorn

Beim Blick auf die einzelnen Kategorien gibt es allerdings Unterschiede. Während die Isländer in den Punkten Bildung und politische Teilhabe weltweit am weitesten sind, kommen sie bei den wirtschaftlichen Chancen auf Rang 9, im Bereich Gesundheit nur auf Rang 104. Ohnehin schneiden die Nordstaaten im Gesamtranking gut ab. Die Plätze hinter Island sind mit Finnland, Norwegen und Schweden belegt.

Deutschland landet im Gesamtranking auf Rang 13, hinter Slowenien, Nicaragua, Burundi und der Schweiz. Erneut sind die Unterschiede in den einzelnen Kategorien groß. Während die Bundesrepublik bei der politischen Beteiligung auf Rang 10 landet, belegt sie bei der Bildung bloß Rang 100, bei der Gesundheit Platz 54. Bei den wirtschaftlichen Chancen reicht es gerade einmal für Platz 57.

Die Gleichstellung der Geschlechter in der deutschen Arbeitswelt ist schon lange ein Thema. Um die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen zu schließen, hat die Bundesregierung zuletzt ein Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit auf den Weg gebracht. Kritiker befürchten jedoch, dass ein solches Gesetz am Kern des Problems wenig ändern wird. So beklagen Experten, dass Frauen in Führungsetagen noch immer unterrepräsentiert sind. Auch die individuelle Förderung käme zu kurz.

Dennoch liegt Deutschland im Gesamt-WEF-Ranking unter den großen Volkswirtschaften der Welt ganz vorn. Ähnlich wie in anderem hochentwickelten Ländern sei Deutschland dabei, die Kluft beim Einkommen voll zu schließen, so die Studienautoren. Die größte Volkswirtschaft, die USA, rangieren abgeschlagen auf Platz 45 unter insgesamt 144 Ländern.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 04.11.2016

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