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Gibt es das Gründer-Gen?
Biologie des Erfolgs

Gibt es das Gründer-Gen?

Stefani Hergert
Die einen tragen eine Geschäftsidee ewig mit sich herum, die anderen setzen sie einfach um. Warum nur? Auf den Spuren der Unternehmer-DNA.
Die einen haben Weizen, die anderen brauchen ihn – man muss nur beide zusammenzubringen. Als Johannes Weber 2001 die Idee hatte, einen Handel mit dem Getreide zu betreiben, war er 22 und Austauschstudent in Ungarn. Die Bauern dort freuten sich über eine üppige Ernte, während die Kollegen in Deutschland zu wenig von den Feldern holten. Weber hatte die ungarischen Bauern überzeugt zu liefern, die deutschen Mühlen überzeugt zu kaufen. Was er nicht bedacht hatte: Man braucht ein Schiff, um das Getreide über die Donau in die Heimat zu bringen. Das aber war nicht aufzutreiben, ein Transport mit Lkws schlicht zu teuer. Der Deal platzte.

Die Weizenbörse wurde zwar nicht sein zweites Unternehmen – zuvor hatte er schon ein Jobportal gegründet –, dafür ein anderes. Heute ist er bei Nummer vier angelangt, einer Denkfabrik und Beratung für Investments mit gutem Gewissen. Auch an Nummer drei, dem Social Venture Fund, der den gleichen Anspruch hat, hängt sein Herz - und ein Großteil seiner Arbeitszeit.

Der kleine Gendefekt

Man könnte sagen, das Gründen liegt in seiner DNA. Lars Hinrichs, Gründer des sozialen Netzwerks Xing, ist überzeugt: "Unternehmer haben einen kleinen Gendefekt – wenn sie Chancen und Risiken gegeneinander aufwiegen, überwiegen einfach die Chancen."

Seit mehr als 50 Jahren suchen Forscher das viel zitierte Gründer-Gen, haben es bisher aber nicht gefunden. Dass die Biologie eine Rolle spielt, sehen sie als erwiesen an, dass Gründertum angeboren ist, bezweifeln sie. Vielmehr wirkten Gene, Erziehung und eigene Erfahrungen in einer sehr komplexen Art und Weise zusammen, sagt Gründerforscher Martin Obschonka von der Universität des Saarlandes.

Chancen erkennen und nutzen

Forscher wissen heute so einiges darüber, was Gründer wie Johannes Weber, der "schon immer den Wunsch hatte, nicht nur irgendwo angestellt zu sein", auszeichnet: Der Wille, etwas zu leisten, gehört dazu, auch ein gewisses Streben nach Unabhängigkeit, Durchhaltevermögen, die Überzeugung, dass vieles kein Schicksal ist, sondern Ergebnis eigenen Handelns, der Wille, kalkulierbare Risiken einzugehen, oder etwa Kreativität. "Das Kernelement aber ist, unternehmerische Gelegenheiten zu erkennen und zu nutzen", sagt Silke Tegtmeier, die an der Lüneburger Leuphana-Universität zum Thema forscht.

Was Forscher aber noch immer nicht können: vorhersagen, ob jemand, der all das mitbringt, auch wirklich gründet. Thomas Bloch, der mit Freunden den jungen Finanzdienstleister Vaamo betreibt, kennt viele Leute, die eine Idee mit sich herumtragen, die das Talent, das Wissen und die nötigen Kontakte haben, aber dennoch angestellt bleiben. "Bei vielen scheitert es am letzten Schritt, daran, das Risiko einzugehen", sagt er.

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