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Shareconomy

Geteiltes Gut ist doppeltes Gut

Christoph Stehr
Mitfahren, Mitwohnen, Mitnutzen: Das Web erleichtert es, Dinge zu teilen. Neue Geschäftsmodelle setzen sich durch. Doch ein Jobwunder ist nicht in Sicht.
Christina bietet eine "Wohnung mit Kamin in San Francisco für 460 Euro pro Woche". Del hat über seiner Surfschule am Strand von Onjuku in Japan ein "Studio frei, ab 88 Euro pro Nacht". Wer mit den Bewertungen anderer Gäste auf dem Portal Airbnb zufrieden ist, schickt eine Anfrage, die Vermieter entscheiden, für wen sie das Bett beziehen. Auch sie sehen Bewertungen und erfahren, ob ein potenzieller Mieter heimlich den Kühlschrank plündert.

Aus der 2008 von Seit Joe Gebbia und Brian Chesky gegründeten Internetplattform Airbnb.com ist eine der weltweit größten Onlinevermittlungen für Privatzimmer und -wohnungen geworden. In mehr als 26 000 Städten und 192 Ländern werden darüber Übernachtungsmöglichkeiten angeboten – vom Feldbett in der Garage bis zum Schloss mit Park.

Damit gehört Airbnb zu den Wegbereitern der sogenannten "Sharing Economy" – von Marketingstrategen zum englischen Kunstwort "Shareconomy" verkürzt. Sie ist nichts weniger als der Wandel der Wirtschaft vom Haben zum Teilen. Die Branche ist jung, geprägt von Unternehmen, die meist noch keine fünf Jahre alt sind und Mitarbeiter suchen, die den Start-up-Gedanken mit dem des Teilens verinnerlicht haben.

"Ökonomie des Teilens"

Aber auch Konzerne haben das Geschäftsfeld entdeckt. Ein neues Jobwunder birgt die Wirtschaft des Teilens aber nicht. Geteiltes Gut ist doppeltes Gut. Das gilt für Wohnungen wie für Autos oder Software. Vor allem die Computerbranche wittert im Teilen von Netz- und Speichertechnik bis hin zu Software das nächste große Geschäft. "Die Grenzen zwischen Unternehmen und Organisationen werden immer durchlässiger", sagt Frank Pörschmann, Vorstand der Deutschen Messe Hannover, auf der gerade zahlreiche Aussteller ihre Lösungen für Shareconomy präsentiert haben. "Dazu müssen auch Mitarbeiter und Manager umdenken und bereit sein, Wissen, Kontakte und Ressourcen zu teilen."

Blogs, Wikis oder Online-Abstimmungen verändern die Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen in Unternehmen. Harald Heinrichs, Professor für Nachhaltigkeitspolitik an der Universität Lüneburg sieht ein "signifikantes Potenzial für die Ökonomie des Teilens".

Das bewiesen neue Geschäftsmodelle wie das von Airbnb, aber auch die seit kurzem entstehenden Bürgergenossenschaften in der Energieversorgung und gemeinnützige Initiativen wie Leihbörsen oder Tauschringe. "Die sozialen Medien sind zweifelsohne ein wesentlicher Treiber", sagt er. Aber auch die Finanz- und Wirtschaftskrise habe zum Umdenken geführt. Jeder zweite Deutsche hat laut einer Studie schon einmal Erfahrungen mit der Wirtschaft des Teilens gemacht

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