Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Wenn Freizeit zur Horrorvorstellung wird
Foto: kreus / Fotolia.com
Ungesundes Engagement

Workaholics schaden dem Betriebsklima

Teil 3: Vom Musterknaben zum Problemfall

Für das Thema Arbeitssucht zu sensibilisieren ist deshalb ein großes Anliegen der Wirtschaftspsychologin. Ihr aktuelles Buch "Arbeitssucht. Workaholismus erkennen und verhindern" soll deshalb einen Überblick über die Arbeitssucht bieten – wie man sie erkennt und wie man sie verhindert.

Denn auch wenn extrem leidenschaftlicher Tatendrang, großes Engagement und Perfektionismus es vermuten lassen – Arbeitssüchtige bringen nicht unbedingt die besten Leistungen, warnen die Experten. Für Unternehmen können sie so schnell vom Musterknaben zum Problemfall werden.

Denn Arbeitssüchtige sind nicht automatisch doppelt so produktiv, nur weil sie doppelt so viel arbeiten wie ihre Kollegen. Schließlich lässt die Produktivität eines Menschen über die Zeitdauer nach. "Arbeitssüchtige denken zwar häufig, ihre Leistungsfähigkeit sei exponentiell und je länger sie arbeiteten, desto produktiver und kreativer seien sie – aber das ist ein Trugschluss", sagt Wirtschaftspsychologe Poppelreuter. Mit fortschreitender Problematik lässt auch die Effizienz nach. "Aufgrund der dauerhaften Überlastungen leidet die Konzentrationsfähigkeit, schleichen sich somit mehr Fehler ein und Arbeitssüchtige können zunehmend gereizter werden", warnt Rademacher.

Leistungsgesellschaft fördert den Workaholismus

In einer späten Phase der Erkrankung mischen Arbeitssüchtige überall mit, wollen sich um alles kümmern, springen von einem Projekt zum anderen – kurzum, sie fassen alles an, bekommen aber nichts mehr vernünftig abgeschlossen. Der Mitarbeiter, der also zu Beginn vielleicht durch Mehrarbeit, schnell abgeschlossene Projekte und viel Einsatz besonders glänzen konnte, produziert nun Fehler und häufig auch Probleme im Arbeitsklima.

Grund genug für Arbeitgeber, solchen Entwicklungen entgegenzuwirken. Auch, weil Chefs die gesetzliche Fürsorgepflicht tragen, dass Mitarbeiter sich nicht gesundheitlich ruinieren.

Das Tückische an der Arbeitssucht: Betroffene werden regelmäßig belohnt. Erfolg beim Kunden, Erfolg bei Projekten, Erfolg bei der Karriere – in einer Leistungsgesellschaft profitieren Arbeitssüchtige häufig von ihrem übermäßigen Einsatz.

"Es gibt Menschen, die von der Persönlichkeit bestimmte Strukturen mitbringen, die Arbeitssucht begünstigen", sagt Rademacher. Häufig definieren sich diese Charaktere primär über Leistung, bringen diese Haltung aus dem eigenen Elternhaus, der Schule oder auch dem Leistungssport in Kinder- und Jugendtagen mit.

Themen im Überblick