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Menschen, die Sport treiben, sind dank neu gebildeter Zellen leistungsfähiger und konzentriert.
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Allmächtiger Sport

Hochproduktive Mitarbeiter

Teil 2: Fitnessstudio, Playstation oder Billardtisch

Für Unternehmen heißt das: Im betrieblichen Gesundheitsmanagement muss es nicht mehr nur darum gehen, Erkrankungen vorzubeugen. Vielmehr sollten sie versuchen, die Produktivität ihrer Mitarbeiter steigern, indem sie deren körperliche und geistige Fitness im Auge behalten. Sie müssen ein differenziertes Angebot der Pausengestaltung oder des Ausgleichs zum Arbeitsalltag anbieten, damit jeder Mitarbeiter das für sich passende findet.

Viele große Unternehmen haben darauf bereits reagiert. So gibt es etwa bei Google in Hamburg Fitnessstudios, eine Playstation oder einen Billardtisch. Mitarbeiter der Deutschen Bank können aus über 35 Sportarten wählen, SAP bietet seinen Mitarbeitern die Möglichkeit zu einem individuellen Gesundheitscoaching.

Spaß an der Bewegung

"Das fällt dem deutschen Mittelstand häufig schwer zu leisten, da es oftmals an einer kritischen Mitarbeiteranzahl fehlt, für die sich das lohnen würde", so Schneider. Das ist aber gar nicht schlimm. Der Trick liegt nämlich nicht im opulenten Angebot sondern darin, dass Menschen in ihren Pausen oder ihrer Freizeit etwas tun, woran sie Spaß haben. "Ähnliche Effekte stellen sich auch beim Gebet oder der Meditation ein, aber nur, wenn der Ausführende auch Spaß daran hat", sagt Schneider.

"Um das volle Potential der Mitarbeiter auszuschöpfen, sollte in deutschen Unternehmen sowohl etwas für den Körper als auch für den Geist getan werden", ergänzt Jekauc. Auf der psychischen Ebene hat sich vor allem Achtsamkeitstraining als ein wirksames Mittel zur Verbesserung der Konzentration und des Umgangs miteinander erwiesen.

Wirklich tiefgreifende Effekte treten aber nur dann auf, wenn der Sport regelmäßig und über einen längeren Zeitpunkt ausgeführt wird. Um den Risikofaktor Bewegungsmangel auszuschalten, empfiehlt die WHO 150 Minuten Anstrengung oder 75 Minuten, wenn die Belastung etwas stärker ist – pro Woche.

Positiver Nebeneffekt: Der Zusammenhalt wird gestärkt

Das Training hat für den Einzelnen langfristige Effekte: Ein schwedisches Forscher-Team hat nachgewiesen, dass sportliche Aktivitäten Jahrzehnte nachwirken. Dazu wurden Männer, die als Teenager für den Wehrdienst gemustert wurden, 30 Jahre später noch einmal untersucht. Es zeigte sich: Die unsportlichen Männer wurden häufiger wegen eines Herzinfarktes behandelt als jene, die häufiger Sport trieben. In Deutschland gilt der Herzinfarkt als eine der häufigsten Todesursachen. Durch regelmäßiges Training aber kann das Risiko bei gesunden Menschen gesenkt werden.

Für Unternehmen heißt das: Wer die Gesundheit seiner Mitarbeiter fördert, senkt damit den Krankenstand, die Mitarbeiter werden belastbarer und gesünder. Das spart Kosten ein.

Ein weiterer Vorteil: Die gemeinsame Bewegung stärkt den Zusammenhalt. Für den Mitarbeiter ist der Nutzen der täglichen Bewegung viel persönlicher: Er kann sich nicht nur besser konzentrieren und ist fitter, er lebt auch länger.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 11.09.2017

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