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Bewegung im Büro

Gesundheitstraining mit dem Chef

Teil 3: Verhalten und Ernährung

Säule I: Das Verhalten

Zum Verhalten gehört vor allem die eigene Einstellung, sagt Esch. "Es beginnt im Kopf bei dem, was ich denke und wie ich über etwas denke." Dort entstehe der meiste Stress. Schreibt ein Kollege in einer E-Mail, man solle sich doch bitte schnell um etwas kümmern, kann ein indirekter Vorwurf darin stecken – "du arbeitest immer so langsam" – aber es muss nicht so sein. Wer ständig versuche, herauszufinden, wie etwas gemeint sein könnte, wie sich Dinge entwickeln könnten und was in der Vergangenheit bereits alles schief ging, der macht sich meist mehr Stress als nötig, so Esch. Und auch wenn Ärger und Druck nicht eingebildet und künstlich aufgebauscht, sondern real sind, gebe es Möglichkeiten, stressreduzierend mit einer Situation umzugehen. Denn auch "wie ich eine E-Mail beantworte, wie ich ein Telefonat führe, ob ich bewusst atme, während ich zum Beispiel eine Auseinandersetzung am Telefon habe", wirke sich aus, so Esch. Erst auf den Geist, langfristig auch auf den Körper.

Um nicht in die Stressfalle zu tappen und Magenschmerzen, innere Unruhe oder andere stressassoziierte Symptome heraufzubeschwören, sei der erste Schritt, den Stress beziehungsweise Situationen, die zu Stress führen können, wahrzunehmen. "Das ist das Wichtigste", sagt Esch. Im zweiten Schritt müsse man sich die Frage stellen, ob sich die stressige und unangenehme Situation anders interpretieren oder handhaben lasse.

Trainieren, um auf dem Boden zu bleiben

Der Mediziner gibt ein Beispiel: "Wir alle kennen das: Wir machen das E-Mail-Postfach morgens auf und sehen schon die ganzen Mails mit den roten 'wichtig'-Fähnchen und dann fängt schon dieses innere Murren, dieser Alarm an. Das wahrzunehmen und als Anlass zu nehmen, um zu sagen: Stopp! Atme, reflektiere und wähle: Wie möchtest du jetzt reagieren? Möchtest du jetzt in diesen Autopilot- oder Tunnelblick-Modus verfallen, aus dem du nach drei Stunden wieder auftauchst, in denen du gestresst E-Mails bearbeitet hast?"

Es geht also nicht darum, eine vollständig stressfreie Umgebung zu schaffen – weil das im Umgang mit anderen Menschen schlicht unmöglich ist. Es gehe darum, sich zu trainieren, immer wieder auf den Boden zu kommen. "Dabei können körperliche Techniken, die mich erden, sehr hilfreich sein", rät Esch.

Wem Meditation zu esoterisch ist, der kann einfach ein paar Mal ganz tief durchatmen. Auch direkt nach Feierabend könne der Einzelne viel für sich tun, damit er den Ärger aus dem Büro nicht mit nach Hause nimmt: der Waldspaziergang, ein heißes Bad, ein gutes Buch, Sport, die Lieblingsmusik: "Kleine Rituale verändern sicherlich nicht die Welt. Aber die Forschung weiß aus vielen Studien, dass diese kleinen Rituale dazu beitragen können, dass die Tonlage, sozusagen die Melodie, in der ich den Tag verbringe, eher freundlich und positiv ist", sagt Esch.

Säule II: Die Ernährung

Eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung ist auch während der Arbeitszeit – schließlich sind das in der Regel acht bis zehn Stunden pro Tag – wichtig, um gesund zu bleiben. Wer sich tagsüber mit Müll vollstopft, dem hilft auch der Salat am Abend nicht mehr. Kantinen und Mensen machen es vielen jedoch nicht leicht, sich gesund zu ernähren.

Das geht schon in der Schule los, wie erst kürzlich auch wieder das Bundeslandwirtschaftsministerium kritisierte: "Nach wie vor ist die Angebotshäufigkeit der Mittagsverpflegung von Gemüse, Vollkornprodukten und Fisch zu gering und das Angebot von vor allem fettreichen Fleisch- und Wurstwaren zu hoch", hieß es in einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der Grünen. Bei den Kleinen gibt es Fischstäbchen, Pommes, Pizza und Currywurst, Mama und Papa essen mittags Schnitzel, Currywurst oder Spaghetti Bolognese. "Menschen, die sich in Kantinen und Mensen versorgen, sind nur bedingt in der Lage, das Angebot zu beeinflussen", räumt auch Esch ein.

In der Mittagspause: sich selber Aufmerksamkeit schenken

"Hier ist die Frage, wie ich esse – ob ich beim Essen genieße, ob ich es schmecke und rieche, ob ich bewusst kaue, ob ich daraus einen Moment mache, in dem ich mir selber Aufmerksamkeit schenke. Das kann ich selbst entscheiden." Dann sei auch die Currywurst in Ordnung. Tatsächlich essen jedoch nur 17 Prozent der deutschen Arbeitnehmer mittags in einer Kantine, wie eine Umfrage der auf Fach- und Führungskräfte spezialisierten Jobbörse Jobware zeigt. Weitere 17 Prozent gehen zum Imbiss oder zum Italiener um die Ecke, 55 Prozent der Angestellten essen am liebsten am Schreibtisch. Elf Prozent verzichten ganz auf die Pause. Dass das besonders gesundheitsfördernd, stressreduzierend oder erholsam ist, darf bezweifelt werden.

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