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Bewegung im Büro

Gesundheitstraining mit dem Chef

Teil 2: Wer bei der Arbeit glücklich ist, lebt gesünder

Gesund zu leben und zu arbeiten ist – je nach Arbeitsumfeld – also gar nicht so einfach. Und zeigen nicht sogar offizielle Statistiken und Studien, dass Arbeit krank macht? Immer mehr Menschen leiden unter typischen Berufskrankheiten. Wer sich nicht den Rücken krumm schafft, der bekommt einen Burnout oder sonst eine psychische Erkrankung, so scheint es. Zumindest zeigt der aktuelle Fehlzeiten-Report der AOK-Versicherung, dass die Zahl der psychischen Erkrankungen, die für längere Ausfälle sorgen, in den vergangenen zehn Jahren mit 79,3 Prozent überproportional stark gestiegen ist.

Dabei kann zwar jeder mit dem Finger auf andere zeigen – der Job verlangt eben, dass ich den ganzen Tag sitze; in der Kantine gibt es nichts Gesundes – die negativen Auswirkungen bekommt man aber selbst zu spüren. "Idealerweise geht das eine, was ich für mich tun kann, mit dem einher, was mein Arbeitgeber für mich tut. Dann kann Gesundheit am Arbeitsplatz gelingen", sagt Esch. Wer keinen Sinn in seinem Job sieht, Berge an Arbeit vor sich, aber überhaupt keine Entscheidungsfreiheit hat und dann noch vom Chef ständig niedergebrüllt wird, den macht weder der Spaziergang in der Mittagspause noch der Magerjoghurt mit frischem Obst glücklich oder gesund.

Glücksgefühle machen gesund

Und tatsächlich spielt Glück für die Gesundheit eine große Rolle. Denn Glücksgefühle sind nichts anderes als eine Belohnung des Gehirns. "Ob ich dieses oder jenes tue, entscheidet sich im Belohnungszentrum in meinem Gehirn anhand der Frage, ob sich etwas lohnenswert anfühlt", so der Mediziner. "Etwas, was sich lohnenswert anfühlt, werde ich tun, es mir merken und es wiederholen. Etwas, was sich unangenehm anfühlt, werde ich möglicherweise vermeiden."

Neurowissenschaftliche Untersuchungen können darüber hinaus beweisen, dass es positive Effekte auf das Immunsystem, die Nerven und das Herz-Kreislaufsystem hat, wenn Menschen Glück fühlen. "Diese sind, und das ist für uns extrem spannend, auf der Ebene der Stressreduktion wirksam", sagt Esch. Heißt: wer bei der Arbeit glücklich ist, hat weniger Stress und wird seltener krank.

Für Führungskräfte bedeutet das: Das beste betriebliche Gesundheitsmanagement nutzt nichts, wenn den Mitarbeitern die Angebote keinen Spaß machen. Und für die Mitarbeiter gilt: Wer Salat verabscheut, sollte ihn nicht angewidert herunterwürgen – auch wenn er zehnmal gesünder ist als Pizza.

Gesundheit ruht auf vier Säulen

Trotzdem lohnt es sich, das eigene Verhalten am Arbeitsplatz – was esse ich, wann bewege ich mich, wie reagiere ich bei Stress? – zu überprüfen und eventuell zu verändern, sagt Esch. Er gilt als einer der führenden Köpfe der integrativen Medizin und beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema Stress und Selbstheilung. Darum gehet es auch in seinem aktuellen Ratgeber-Sachbuch "Der Selbstheilungscode – Die Neurobiologie von Gesundheit und Zufriedenheit".

Der Humanmediziner ist überzeugt, dass die menschliche Gesundheit auf vier Säulen ruht:

1. Verhalten
2. Ernährung
3. Entspannung
4. Bewegung

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