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Medizin

Gesundheit im Wandel

Julia Groth, Christoph Hus
Der Markt für Mediziner und Pharmazeuten verändert sich. Krankenhäuser und Apotheken konkurrieren mit Versicherungen und Biotech-Firmen. Aber nicht überall ist die Arbeit gleich attraktiv. Arbeitszeiten, Gehälter und Aufgaben können stark variieren. Wer sich informiert, kann schon vorher die Vor- und Nachteile abwägen.
Die Medizinbranche ist im UmbruchFoto: © Andy Ridder
Susanne Gheorghiu muss sich nicht darum kümmern, ihren Patienten Rechnungen und Mahnungen zu schicken. Das erledigt die Buchhaltungsabteilung ganz allein. Denn die 34-jährige Frauenärztin arbeitet seit zwei Jahren als Angestellte in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ), das der private Klinikkonzern Asklepios betreibt. Gheorghius Alltag dort gleicht dem eines niedergelassenen Arztes - nur eben ohne Papierkrieg.Für die junge Ärztin eine ideale Kombination. "Es war mir wichtig, nicht in einer Wald-und-Wiesen-Praxis zu arbeiten", erklärt sie. "In eine Klinik wollte ich aber auch nicht, wegen der Nacht- und Wochenenddienste." Anstrengende Schichtarbeit hatte die gebürtige Kielerin lange genug ausgehalten: Fünf Jahre ihrer Ausbildung zur Fachärztin absolvierte sie in einer Klinik. Das letzte Jahr verbrachte sie im MVZ im niedersächsischen Seevetal - und blieb dann dort.

Die besten Jobs von allen

Die Selbstständigkeit brigt die höheren RisikenEin MVZ ähnelt einer herkömmlichen Gemeinschaftspraxis, in der mehrere Mediziner unter einem Dach arbeiten. Allerdings sind die Ärzte dort nicht selbstständig, sondern Angestellte des Betreibers - also eines privaten oder öffentlichen Unternehmens oder eines gemeinnützigen Trägers. Für die Mediziner bedeutet das ein geringeres Risiko: "Die Investitionen, die man als niedergelassene Ärztin tätigen muss, sind so hoch, dass sie sich durch die Einnahmen heute kaum noch decken lassen", sagt Gheorghiu. Das Leben als angestellte Ärztin erscheint ihr verlockender als das Wagnis, Unternehmerin zu werden. "Die Branche ist im Umbruch."Dank ihrer Entscheidung für das MVZ kann sich die Frauenärztin jetzt nicht nur auf ein regelmäßiges Einkommen verlassen, sondern hat auch flexible Arbeitszeiten, ein Recht auf bezahlten Urlaub und auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Darüber hinaus hat sie mehr Möglichkeiten zur Veränderung als niedergelassene Ärzte: Sie kann einfacher den Arbeits- und Wohnort wechseln und sich stärker spezialisieren. Keine eigene Praxis zu besitzen, ist für Gheorghiu deshalb eher ein Gewinn als ein Verlust. "Ich bin hier im MVZ sehr zufrieden", sagt die Ärztin.Wie Gheorghiu profitieren viele junge Mediziner davon, dass sich die Gesundheitswirtschaft in den vergangenen Jahren rasant gewandelt hat. "Die Veränderung bringt viele neue Karrieremöglichkeiten mit sich", sagt Veronika Ulbort, Partnerin der Personalberatung Odgers Berndtson, die Unternehmen aus der Gesundheitsbranche bei der Personalsuche und -auswahl berät.Viele verschiedene Branchen suchen nach MedizinernSo gibt es für Ärzte nicht nur Arbeitsplätze, die die Vorteile einer Tätigkeit als Praxisarzt mit der Sicherheit eines Angestelltenverhältnisses verbinden wie im MVZ. Auch Unternehmen aus anderen Branchen suchen nach Medizinern, zum Beispiel Versicherungen und Unternehmensberatungen. Und: Der Vormarsch privater Krankenhausbetreiber sowie der Mangel an jungen Ärzten in Deutschland heizt den Wettbewerb um Absolventen auch in klassischen Arztberufen an.Nicht nur Medizinern eröffnen sich vielfältige neue Berufsaussichten. Auch Pharmazeuten haben keine Probleme, abseits der klassischen Karriere als selbstständiger Apotheker einen Job zu finden. So suchen Pharmahersteller nach Mitarbeitern, die bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe und Medikamente helfen, sich um die Arzneimittelsicherheit kümmern und mit den Zulassungsbehörden verhandeln, sobald neue Produkte auf den Markt kommen sollen. "Pharmazeuten suchen aber längst nicht so intensiv nach Alternativen zur klassischen Karriere wie Mediziner", sagt Personalberaterin Veronika Ulbort. Denn die Arbeit als selbstständiger Apotheker ist immer noch lukrativ - trotz der zunehmenden Konkurrenz durch Versandapotheken.

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