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Geschichten erzählen – für Kunden und Mitarbeiter
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Storytelling

Geschichten erzählen – für Kunden und Mitarbeiter

Teil 2: "I have a dream", nicht: "I have a plan".

Was muss ich noch beachten?

Scholl: Geschichten müssen strukturiert sein. Häufig wirken gute Erzählungen spontan, sind sie aber so gut wie nie. Entscheider aus Marketingabteilungen, Social Media-Manager, aber auch Vorstände müssen sich im Vorfeld genau überlegen, was mit der Geschichte transportiert werden soll und sie darauf aufbauend konzipieren.

Van de Laar: Wenn die einzelnen Botschaften dann noch einprägsam formuliert sind, besteht die Chance, dass sie weitererzählt werden und sich organisch verbreiten.

In etwa Geschichten, die auf Facebook und Twitter dann wochenlang die Runde machen?

Van de Laar: Im Idealfall ja. Soziale Medien spielen bei der Verbreitung häufig eine wichtige Rolle. Gute Geschichten werden aber schon immer weitererzählt. Storytelling funktionierte lange bevor das Internet erfunden wurde.

Scholl: Ein Beispiel einer Anekdote, die sich über Jahrzehnte gehalten hat, kommt von Robert Bosch. Er fand eine Büroklammer auf dem Fabrikboden und fragte einen der Arbeiter, was dort läge. Dieser antwortete: "Eine Büroklammer." Bosch entgegnete: "Nein, mein Geld." Das ist ein Lehrstück, wie mithilfe interner Kommunikation die eigene Unternehmenskultur geprägt wird und sagt aus: Lass die Details niemals aus dem Auge, denn sie sind entscheidend. 

Wie gut beherrschen Vorstände von heute dieses Instrument?


Scholl: Generell kann man sagen, je höher die Hierarchieebene desto häufiger nutzen Manager Storytelling. Dieter Zetsche erzählt beispielsweise immer wieder die Geschichte, als er in einem Autohaus nicht erkannt wurde und wie er dort behandelt wurde. Die Botschaft dahinter: Orientiert euch mehr am Kunden!

Van de Laar: Auch in der politischen Kommunikation ist durchaus Bedarf für Storytelling. Zu häufig lesen wir von komplexen 9-Punkte-Plänen, deren Inhalt sich kaum ein Wähler merken kann, geschweige denn weitererzählt. Martin Luther King sagte ja auch nicht: "I have a plan." Sondern: "I have a dream."

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