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Mein Beruf: Personaler

Gerade jetzt: Veränderungen gestalten

Anne Koschik
Die Schrecken der Wirtschaftskrise sind fürs erste überstanden, da lauert das nächste Schreckgespenst: der Fachkräftemangel. Das ruft die Personaler auf den Plan.
Noch vor einigen Jahren vom Outsourcing selbst stark betroffen, entwickeln sich die HR-Experten nun zu den Mitarbeitern der Stunde, die im Unternehmen eine gewichtige strategische Funktion einnehmen. Das Beratungsunternehmen Capgemini spricht hier von einer „personalerfreundlichen Großwetterlage“. Die klassische Personalverwaltung wird immer mehr zurückgefahren, Arbeitsteilung fördert die Profilvielfalt: Personalplanung und -entwicklung, Personalmarketing, -recruiting und -controlling sowie die Personalberatung gewinnen an Bedeutung. Innerhalb der Unternehmen steigen die Erwartungen an den Personalbereich, wie eine PWC-Studie belegt. Viele Personalreferenten seien erst auf dem Weg zum echten „Businesspartner“, die den Wertbeitrag des Unternehmens „deutlich steigern“ könnten. Personalmanager befinden sich in einer Navigationsrolle, um Beschäftigung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu sichern, Fachkräfte nicht zu verlieren bzw. zu gewinnen und Zukunftsstrategien zu erarbeiten, wie BMW-Personalvorstand Harald Krüger auf einem Personalkongress formulierte.
Entwicklung der Stellenanzeigen für Personaler seit Oktober 2010

Kontinuierlich schalten die Unternehmen mehr Stellenanzeigen für Personaler. Einen Einbruch gab es lediglich um den Jahreswechsel, der sich aber über die Branchen hinweg durchzieht. Seitdem geht es aufwärts.
Quelle: Jobturbo



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»Noch vor einigen Jahren gerne outgesourced, gewinnen Personaler in Zeiten des Fachkräftemangels strategische Bedeutung für ihre Unternehmen. Ein Zeichen für einen nachhaltigen Umbruch?«Nachhaltig wird der Umbruch wohl sein müssen. Allerdings investieren die Unternehmen – bedingt durch den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel – eher zwangsläufig in ihre Personalabteilungen. Denn Studien belegen, dass Geschäftsleitungen und Führungskräfte ihre Personaler immer noch mehr als Verwalter denn in einer strategischen Rolle sehen. Lange Zeit war es ferner auch so, dass Personalabteilungen eher reaktiv agiert haben und nicht vorausschauend, wie das jetzt erwartet wird und unverzichtbar sein wird, will man Kapazitäts-, Kompetenz- und Demographierisiken wirksam und robust begegnen. Meinulf Kolb, Professor für Personalmanagement an der Hochschule Pforzheim

Die Bedeutung des Personalwesens befindet sich in einem Umbruch und wird noch weiter zunehmen. Denn die Unternehmen haben erkannt, dass nicht mehr allein das Produkt, sondern der „Faktor Mensch“ entscheidend wird im Wettbewerb. Den Mitarbeitern muss ein Umfeld geschaffen werden, dass es ihnen ermöglicht, Produkte noch besser zu machen. Die Funktion des Personalers hat sich daher stark gewandelt von einer rein verwaltenden zu einer zunehmend auch gestaltenden Funktion.Joachim Sauer, Präsident Bundesverband der Personalmanager BPM

Der demographische Wandel wird die Fachkräfteengpässe in einigen Branchen dramatisch verschärfen. Die Unternehmen sind daher gut beraten, erfolgreiches Personalmanagement als Kernaufgabe zu begreifen und in ein betriebliches Gesamtkonzept einzubinden. Denn es geht nicht nur darum, offene Stellen ad hoc zu besetzen, sondern die Rahmenbedingungen zu schaffen, um gutes Personal aktiv anzuwerben und langfristig zu binden. Dazu zählen etwa flexible Arbeitszeitregelungen oder Kinderbetreuungsangebote, die mehr denn je zum Wettbewerbsvorteil werden. Mark Fallak, Sprecher des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA)

"Die DGFP vertritt seit Jahren die Position, dass ein komplettes Outsourcing der HR-Funktion für Unternehmen nicht zielführend ist. Zumindest die strategischen Themen des Personalmanagements sind nicht delegierbar und müssen passgenau mit der Strategie und Kultur des Unternehmens verzahnt sein. Das schließt nicht aus, dass hierbei externe Beratungsspezialisten unterstützend hinzu gezogen werden." Professor Gerold Frick, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP)


Foto: N. Gleim/Pixelio


Dieser Artikel ist erschienen am 15.04.2011

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