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Einstein mal zwei
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Kreativität

Genies sind keine Einzelgänger

Ferdinand Knauß, wiwo.de
Steve Jobs hatte unrecht. Besondere schöpferische Leistungen gelingen Menschen, wenn sie in bestimmte Gruppen eingebunden sind, stellen Psychologen fest. Das einsame Genie ist die Ausnahme.
Kreativität und Genialität hält man üblicherweise für individuelle Eigenschaften. Aber neue Forschungsergebnisse deuten nun darauf hin, dass das soziale Umfeld hierfür eine ebenso wichtige Rolle spielen könnte.

Denn: Teil einer Gruppe zu sein oder nicht, bewegt Menschen dazu, sich besonderen Herausforderungen an die Kreativität zu stellen, glaubt Psychologe Alex Haslam von der University of Queensland in Australien.

"Die Gruppenzugehörigkeit ist eine Grundlage dafür, dass bestimmte Formen von Originalität angesehen oder zurückgewiesen werden", so Haslam. "Was Menschen schaffen und wie sie es schaffen, hängt zu einem Großteil davon ab, was die Menschen in ihrer Umgebung, mit denen sie sich identifizieren, tun", sagt Inma Adarves-Yorno von der University of Exeter.

Kein Resultat gegen ein fremdartiges Umfeld

Haslam, Adarves-Yorno und Psychologen von der Universität Groningen in den Niederlanden haben ihre Theorie in der Fachzeitschrift "Personality and Social Psychology Review" dargelegt.

Genies und kreative Menschen seien, so das Fazit,"zu einem großen Teil Produkte der Gruppen und Gesellschaften, in denen sie leben".

Von der Vorstellung, dass Genialität und Kreativität Resultate der Persönlichkeit und Gene des Einzelnen sind und gegen ein "fremdartiges" Umfeld entstünden, müsse man sich dagegen distanzieren.

Gleichgesinnte fördern kluge Köpfe

"Unsere Forschung zeigt, dass man nicht davon ausgehen kann, dass Kreativität einfach aus dem Nichts entsteht", sagt Haslam.

"Künstler, Schriftsteller und Naturwissenschaftler schaffen ihre kreativsten Arbeiten oft dann, wenn sie mit einem oder mehreren anderen zusammenarbeiten – mit gleichgesinnten Freunden, Kollegen oder Altersgenossen."


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