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Generation Golf

Generation Golf: Profitieren vom Wirtschaftsboom

Claudia Obmann
Abu Dhabi, Dubai und Katar wachsen trotz Weltwirtschaftskrise. Eine Gruppe junger, flexibler Deutscher hat die Jobchancen bereits genutzt und ist die neue Generation Golf. Und die Emiratis suchen weiter - gut ausgebildete Ein- und Aufsteiger aller Fachrichtungen.
In Dubai schießen die Wolkenkratzer aus der ErdeFoto: © Andy Ridder
Von der Wallstreet in die Wüste - als der deutsche Investment-Banker Robin Lohmann seinen Kollegen 2004 in Manhattan eröffnete, er kündige, um in Dubai Immobiliengeschäfte auf eigene Rechnung zu machen, erntete er ungläubiges Staunen. Vier Jahre später zählt der Immobilienhändler mit seiner Firma ACI Real Estate zu den 100 Top-Managern am Golf. Der 33-Jährige hat ein zentrales Problem der Großbaustelle Dubai gelöst: Die Emiratis kennen Straßennamen, aber keine Hausnummern. Briefe werden nur postlagernd zugestellt. Lohmann gab seinen Wolkenkratzern prominente Namen: Als Niki-Lauda- oder Boris-Becker-Business-Tower sind sie nun Landmarken für Besitzer, Bewohner und Besucher. Robin Lohmann hat seine Chance am Persischen Golf gesucht und gefunden. Allein in den ersten fünf Monaten des vergangenen Jahres hat der Gründer einen Umsatz von 2,5Milliarden Euro gemacht. Der Immobilienhändler ist nicht der Einzige, der sein Glück am Golf gemacht hat. In der Region, wo Öl und Gas reichlich vorkommen, herrscht statt Depression wie in den USA und Europa weiter Aufbruchstimmung. Mit den Gewinnen der vergangenen Jahre haben sich die Scheichs finanzielle Polster geschaffen. Kaum jemand rechnet mit einem Absturz der Konjunktur, die meisten Schätzungen sagen den Golfstaaten für 2009 ein Wachstum von vier Prozent voraus, nach knapp sechs Prozent im Jahr 2008.Weiterhin Wachstum in der Region

Die besten Jobs von allen

Horst Draudt zum Beispiel, Direktor der renommierten, auf die Region spezialisierten Beratungsgesellschaft Dornier Consulting, bewertet die Lage zuversichtlich: "Mit einigen Abstrichen wird 2009 genauso vielversprechend wie die vergangenen Jahre." Und obwohl der Ölpreis von der Rekordmarke 150 Dollar pro Barrel zuletzt stark gefallen ist, wollen einige Herrscher ihre Fürstentümer und Königreiche in die Moderne katapultieren: Koste es, was es wolle. Für die nächsten fünf Jahre sind in den Staaten des Golfkooperationsrates, dem Saudi-Arabien, Kuweit, Katar, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Oman angehören, Projekte im Wert von 1900 Milliarden Dollar geplant oder bereits im Bau. 70 Prozent dieser 13-stelligen Summe entfallen allein auf die sieben Mitglieder der VAE und Saudi-Arabien. Nur 16Prozent der Investitionen betreffen Öl und Gas, zwei Drittel gehen in den Ausbau der Infrastruktur. Speziell die westlich orientierten VAE-Mitglieder Dubai und Abu Dhabi, aber auch der Nachbar Katar und der Inselstaat Bahrain haben einen Transformationsprozess eingeleitet - weg vom Öl, hin zu Tourismus, Logistik und Bildung.Großflughäfen, ein Eisenbahnnetz, das die arabische Halbinsel überzieht, Kraftwerke - im Wüstensand entsteht eine Infrastruktur der Superlative. Und damit Tausende Jobchancen für Fachkräfte. Schätzungen anlässlich des von internationalen Personalberatungen wie der Hay Group und der Online-Jobbörse Monster unterstützten Kongresses "Middle East Human Resources Summit" gehen für die Golfstaaten von einem Bedarf von 1,5 Millionen zusätzlichen Beschäftigten bis 2020 aus.Globalisierter ArbeitsmarktBauarbeiter aus Pakistan, Putzfrauen von den Philippinen, Nannys aus Namibia, Ingenieure aus Deutschland, Köche aus Frankreich, Manager aus Ägypten. Dubai wirkt zwar schon heute wie der Inbegriff des globalen Dorfs, doch der schöne Schein trügt. In allen Scheichtümern existiert eine starre Drei-Klassengesellschaft: Die Abkömmlinge der Beduinen bleiben meist unter sich, sie sprechen Arabisch, alle anderen Englisch. Auf der zweiten Hierarchiestufe stehen die gut ausgebildeten Ausländer aus dem Abendland. Auf der untersten Stufe kommen Abertausende Niedriglohnarbeiter. Der geringschätzige Umgang mit Personal hat Tradition. "Ein Kamel oder ein Jagdfalke haben für die Nachkommen der Beduinen, denen die Tiere das Überleben in der Wüste sicherten, einen höheren Stellenwert als ein Mensch", sagt Gabriele Mertens, die Generalsekretärin des deutschen Raphaels-Werks, das Auswanderer und Expatriats berät.Weitere Infos rund um Dubai und Co

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