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Gelobt, geholt, gescheitert
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Frauen im Vorstand

Gelobt, geholt, gescheitert

Sven Prange, Jens Koenen, Martin Wocher, Georg Weishaupt
Vorstands- und Aufsichtsratschefs präsentieren eifrig Frauen im Vorstand – und erleben Überraschungen wie kürzlich die Deutsche Post. Weil viele Frauen (noch) nicht können und viele Herren (immer noch) nicht wollen.
Es wäre an der Zeit zu reden. Drei Jahre nachdem die Politik drohte, die deutsche Konzernwelt dürfe keine männliche Bastion mehr sein. Drei Jahre, in denen Vorstände und Mitarbeiter, Aufsichtsräte und Öffentlichkeit Auf- und Abstiege von Managerinnen wie Angelika Dammann erlebten, die bei SAP erst Personalvorständin wurde und nach einem Jahr im Streit ging; wie Luisa Deplazes Delgado, die ihr bei SAP folgte und nach einem Jahr ebenfalls flüchtete; wie Barbara Kux und Brigitte Ederer, die stolz als erste Damen in den Vorstand von Siemens ein- und im Unfrieden wieder auszogen; wie Elke Strathmann, die bei Continental vor Ablauf ihrer ersten Amtszeit ging; oder Marion Schick, die bei der Telekom merkte: Sie kommt nicht weiter.

Schweigen über Scheitern

Doch niemand will öffentlich reden. Auch nicht, nachdem mit Post-Personalvorständin Angela Titzrath wieder eine Managerin abgetreten ist. Die Frauen nicht, aus Angst, für immer mit der Niederlage in Verbindung gebracht zu werden. Die Herren ohnehin nicht, weil man einen Teil der Schuld bei ihnen suchen kann – und findet. Nur unter dem Siegel der Verschwiegenheit geben einige von ihnen Einblicke in die letzte gesellschaftliche Sphäre des Geschlechterkampfs – und erklären, warum die Frauenoffensive auf den ersten Blick so seltsam erfolglos geblieben ist.

17 Frauen haben Deutschlands Dax-Konzerne in den vergangenen drei Jahren in ihre Vorstände berufen. Acht davon haben diesen Job heute nicht mehr – das ist fast die Hälfte. Der Frauenanteil an der Spitze stagniert bei sieben bis acht Prozent. Das weckt bei vielen Führungsmachos den latent nie ausgemerzten Verdacht: Die können es nicht.

Kleine Jungs buhlen um Frauen

Die Folge: Längst wird nicht mehr diskutiert, ob der eingeschlagene Weg hin zu mehr Frauen an der Unternehmensspitze richtig ist, sondern darüber, ob das Ziel an sich stimmt. "Wir registrieren etwa seit Herbst vergangenen Jahres, dass sich die Diskussion über mehr Frauen in Vorstandsämtern unglücklich entwickelt", sagt Christina Virzi, die das Thema zusammen mit Headhunter Heiner Thorborg in der Beratung "Female Factor" vorantreibt. Ein prominenter Dax-Aufseher stellt dazu fest: "Noch ein, zwei vorzeitig gescheiterte Damen, und das Thema ist tot."

Viele glauben mittlerweile, dass gerade die Quotendiskussion fatal wirkt. Denn der Druck fördere Aktionismus: "Derzeit wird das Thema von Vorstandschefs und Aufsichtsräten wie ein Wettbewerb verstanden: Jeder will der Erste sein. Da prüft man nicht so genau, ob die Kandidatin wirklich passt", sagt Virzi. Ein Headhunter spricht vom "Kleine-Jungs-Spiel" der Dax-Chefs, als Erster eine Vorständin zu präsentieren.

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