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Gekündigt? Was Sie jetzt tun sollten!

Ulrike Heitze
Wenn der Chef mit der Kündigung kommt, ist das häufig ein Schock. Doch nun heißt es, überlegt handeln und die nächsten Schritte angehen. Abfindung kassieren, Klage einreichen, Hartz IV beantragen? Wir erklären Ihnen, welche Anträge und Fristen jetzt wichtig sind.
Eine Kündigung hat FolgenFoto: © Mindy W.M Chung-Fotolia.com
Arbeitslos melden
Wer Arbeitslosengeld beziehen möchte, muss sich fristgemäß und persönlich bei seiner Arbeitsagentur vor Ort arbeitslos melden. Um eine Sperre zu verhindern, muss er das spätestens am ersten Tag seiner Beschäftigungslosigkeit machen. Weiß er früher von der Kündigung, was wegen der Kündigungsfristen üblich ist, muss er sich gleich danach arbeitssuchend melden. Sonst riskiert er seinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.
Arbeitssuchend melden
Wer frühzeitig weiß, dass er arbeitslos wird, muss sich spätestens drei Monate vor Arbeitsende arbeitssuchend melden, um später das volle Arbeitslosengeld zu erhalten. Gleiches gilt bei befristeten Verträgen, die nicht verlängert werden. Liegen zwischen Bescheid und Arbeitsende weniger als drei Monate, bleiben einem ab der Kenntnis drei Tage Zeit, sich bei der Arbeitsagentur zu melden. Für eine verspätete Meldung gibt's in der Regel eine Woche weniger Geld. Arbeitssuchend kann man sich auch per Telefon melden (bundeseinheitlich: 0 18 01/55 51 11).

Die besten Jobs von allen

Absolventen und Berufsanfänger
Wer von der Uni kommt, kann in der Regel kein Arbeitslosengeld erwarten. "Dennoch kann es sinnvoll sein, sich bei uns arbeitssuchend zu melden, weil er viele unserer sonstigen Leistungen in Anspruch kann", sagt Raimund Schouren, Berater des Hochschulteams der Arbeitsagentur Düsseldorf. Wer mit einer längeren Jobsuche rechnet, kann versuchen, ALG II nach dem Hartz-IV-Gesetz zu beziehen. Dann müsste er auch keine Krankenkassenbeiträge zahlen.

Durch die Krise wurden viele Jobs gestrichen. Sind Sie auch betroffen? Wie gehen Sie mit der Kündigung um?Arbeitslosengeld (ALG) I
Um ALG I zu erhalten, braucht ein Arbeitsloser sogenannte Anwartschaftszeiten: Er muss innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens zwölf Monate in einem Versicherungspflichtverhältnis gestanden haben. Das ist der Fall, wenn er berufstätig war, Wehr- oder Zivildienst geleistet hat, in Kurzarbeit oder Elternzeit steckte. Für Absolventen gilt das meist nur, wenn sie nebenher gejobbt und Sozialabgaben gezahlt haben.
Vom durchschnittlichen Bruttogehalt der letzten zwölf Monate - bis maximal 5400 Euro monatlich (West; Ost: 4550) - zieht die Arbeitsagentur die Steuern und pauschal 21 Prozent für die Sozialabgaben ab. Von diesem Netto erhalten Arbeitslose ohne Kinder 60 Prozent, mit Kindern 67 Prozent. Maximal erhält ein Jobsuchender ohne Kind 1631,40 Euro (West; Ost: 1448,10) pro Monat Unterstützung. Ein West-Single, der 4000 Euro netto verdiente, bekommt 1320,90 Euro. Dazu übernimmt die Arbeitsagentur die Beiträge zur Krankenkasse, Renten-, Pflege- und gesetzlichen Unfallversicherung.Das ALG I wird aber nicht ewig gezahlt. Für Jobsuchende unter 50 Jahren sind maximal zwölf Monate drin, sofern sie in den letzten fünf Jahren mindestens 24 Monate arbeitslosenversicherungspflichtig waren. Alternativ oder anschließend zum ALG I kann die Arbeitsagentur bei einer tragfähigen Geschäftsidee einen Gründungszuschuss gewähren.Arbeitslosengeld (ALG) II
Wer kein ALG I bekommt (oder wenn es ausgelaufen ist), kann ALG II nach dem Hartz-IV-Gesetz beantragen. Als Regelleistung werden zum Beispiel monatlich 359 Euro für Alleinstehende ohne Kinder gezahlt. Hinzu kommen Miete und Nebenkosten sowie Sonderleistungen etwa für Wohnungsausstattung. ALG II wird nur bewilligt, wenn kein anderer, etwa die Eltern oder ein (Ehe-)Partner, den Arbeitslosen mitversorgen kann. Auch muss eigenes Vermögen in gewissen Grenzen erst aufgebraucht werden, bevor es ALG II gibt. In einem solchen Fall wäre ein Anwalt sehr empfehlenswert.


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