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Equal Pay Day
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Equal Pay Day

Gehaltskluft: Mythos und Wahrheit

Teil 5: "Frauen müssen also lernen, zu fordern, was ihnen zusteht"

Während er selbstsicher 120.000 Euro netto im Jahr nebst Dienst-Bugatti fordert, schaut sie bei der Frage nach ihren Gehaltsvorstellungen verlegen auf die Schuhspitzen und stammelt: "Ja, ich weiß ja auch nicht... Was verdienen die anderen denn so? Meinen Sie, 30.000 Euro brutto im Jahr wären zu viel?"


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So ähnlich erlebt es zumindest Nicole Rupp, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen für das Thema Geld zu begeistern. "Frauen sagen viel zu selten, dass Geld ihnen wichtig ist. Sie sagen dann: Ich bin doch eigentlich glücklich, ich habe doch eine tolle Familie, wozu brauche ich da viel Geld?", sagt die Rednerin und Autorin. Sie geht davon aus, dass die Erziehung in den Familien und die Sozialisation innerhalb der Gesellschaft ihren Teil dazu beitragen, dass Frauen in der Tendenz übermäßig tief stapeln. "Mädchen sollen immer nett und lieb sein und am besten die Klappe halten. Deshalb fällt es Frauen später schwerer, für sich und ihre Bedürfnisse einzustehen." Das Resultat sei die falsche Bescheidenheit, um nicht abgelehnt zu werden und die Selbstlüge "Geld ist mir nicht wichtig", um sich vor sich selbst zu rechtfertigen so Rupp.

Das Problem: "Wenn sie ihre Kinder gesund ernähren wollen, wenn sie fair produzierte Kleidung tragen wollen, dann kostet das alles Geld. Das finanzieren zu wollen, hat nichts mit Geldgier zu tun", so Rupp. Frauen gehen laut ihr außerdem häufig davon aus, dass sie irgendwann belohnt werden, wenn sie nur lange genug Ackern wie ein Gaul. "Aber das passiert weder in der Familie noch im Beruf. Frauen müssen also lernen, zu fordern, was ihnen zusteht." Da ist der Equal Pay Day – trotz der statistisch sehr fragwürdigen Zahl – eigentlich ein guter Anfang.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 22.03.2016

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