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Equal Pay Day
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Equal Pay Day

Gehaltskluft: Mythos und Wahrheit

Teil 4: Den Wert von Arbeit hinterfragen

Frauen sind auch selbst gefordert, sich für andere Karrierewege zu entscheiden, so der Experte. Dass sich der Job in der IT-Branche eher bezahlt macht, als die Ausbildung zur Nageldesignerin, sollte sich rumgesprochen haben. Bei den händeringend gesuchten IT-Fachkräften gibt es entsprechend unternehmensübergreifend nahezu keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern, wie eine Erhebung der Online-Jobbörse StepStone zeigt. Die Gehälter unterscheiden sich zwar, allerdings nicht abhängig vom Geschlecht, sondern je nach Region oder Unternehmensgröße.

Region und Unternehmen entscheiden
 
Die IT-Expertin in Mecklenburg-Vorpommern verdient weniger als die in München und der IT-Leiter bei Daimler bekommt mehr als der beim kleinen Mittelständler. Auch bei den Ingenieuren und technischen Berufen sind die Unterschiede vergleichsweise niedrig. Womit man bei der Diskussion wäre, ob man typische Frauenberufe – in der Pflege, im sozialen Bereich und in der Erziehung – nicht besser bezahlen müsste. Die Frage ist also, ob die Arbeit des Maschinenbauers wirklich dreimal mehr wert als die der Erzieherin, die seine Kinder betreut, während er arbeiten ist.
 
Wer etwas an der Lohnlücke ändern will, sollte sich diese Fragen stellen. Denn es ist unwahrscheinlich, dass auf einmal alle Frauen technische Berufe ergreifen und keine mehr Krankenschwester, Erzieherin, Friseurin oder Fußpflegerin werden möchte. Ganz davon abgesehen, dass auch diese Berufe gebraucht werden und nicht
geschaffen wurden, damit Frauen sich nicht langweilen, während der Gatte außer Haus ist.
 
Falsche Bescheidenheit bei den Frauen

Ein weiterer Aspekt, der oft als Erklärung für ungleiche Gehälter ins Feld geführt wird, ist das Verhandlungsgeschick von Frauen: Obwohl es keine validen Studien zum Thema gibt, sind viele Karriereberater und Psychologen der Meinung, dass die Damen deutlich bescheidener bei ihren Gehaltswünschen seien.

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