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Equal Pay Day
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Equal Pay Day

Gehaltskluft: Mythos und Wahrheit

Teil 2: "Real existiert keine nennenswert große Lücke"

Das Statistische Bundesamt macht es trotzdem – allerdings mit den Gehältern von 42,6 Millionen berufstätigen Männern und Frauen, wobei die Frauen mit 17,7 Millionen den deutlich geringeren Anteil stellen. Bei dieser Rechnung kommt das Statistische Bundesamt auf eine Lohndifferenz von 21,6. Seit gut 15 Jahren verändert sich dieser Wert kaum.

22 Prozent sind "grob irreführend"
 
"Ich werde immer ein bisschen ärgerlich, wenn ich diese Zahl höre, weil diese Berechnungsweise grob irreführend ist", sagt Thomas Haussmann, Vergütungsexperte der Personalberatung Hay-Group. Große Unternehmen könnten es sich gar nicht leisten, Frauen anders, also schlechter, zu vergüten als Männer. Der Berater weiß aber auch: "Bei traditionellen Kleinunternehmen im ländlichen Raum herrscht dagegen öfter noch eine tradierte Denkweise, weshalb Frauen dort eher schlechter bezahlt werden."

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Allerdings mache der Unterschied auch in diesen Betrieben keine 22, sondern eher nur vier Prozent aus.

Nun ist Haussmann zum einen ein Mann und zum anderen ein Unternehmensberater. Also könnte man ihn erst einmal für parteiisch halten. Doch selbst Arbeitsmarktforscher sagen: Eine Lohndifferenz von 22 Prozent ist grober statistischer Unfug.
 
Lohndifferenz wegen Berufswahl, Teilzeit, Babypause
 
"Real existiert keine nennenswert große Lücke zwischen den Löhnen von Frauen und Männern. Sie liegt bei der Gesamtbetrachtung aller Faktoren um zwei Prozent", erklärt Sven Hille, der Leiter der Fachgruppe "Arbeitszeit und Vergütung" am Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. (ifaa). In der ganz jungen Generation, die ab 1998 geboren ist, gebe es bei gleicher Arbeit überhaupt keine Lohnlücke mehr. In der Generation der Babyboomer seien es dagegen vier bis fünf Prozent.

Hille ist überzeugt, dass das Statistische Bundesamt bei seiner Rechnung Äpfel mit Birnen vergleicht. "Bei dieser Darstellung werden entscheidende Faktoren nicht berücksichtigt."

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