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Equal Pay Day
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Equal Pay Day

Gehaltskluft: Mythos und Wahrheit

Kerstin Dämon, wiwo.de
Am „Equal pay day“ geht es darum, dass Frauen in Deutschland 22 Prozent weniger verdienen als Männer. Tatsächlich ist die Kluft geringer. Und: Nicht allein die Unternehmen sind schuld am Ungleichgewicht.
In Berlin und vor vielen Rat- und Gemeindehäusern in Deutschland wehten kürzlich die roten Fahnen der Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen: "Equal pay day".

Prominente und weniger prominente Menschen aus Politik und Wirtschaft machen darauf aufmerksam, dass Frauen in Deutschland noch immer fast 22 Prozent weniger verdienen als Männer. Allein: Das stimmt so nicht.

Richtig ist, dass die Grundgesamtheit aller erwerbstätigen Frauen in Deutschland rund 22 Prozent weniger verdient als die Grundgesamtheit aller erwerbstätigen deutschen Männer. Aber Frauen werden nicht für die gleiche Arbeit unterschiedlich bezahlt. Zur Veranschaulichung ein – zugegeben – verkürztes und überspitztes Rechenbeispiel:


  • Dieter Zetsche, Diplomingenieur und Daimler-Chef verdiente letztes Jahr 13,2 Millionen Euro brutto.

  • Ein fiktiver Bauingenieur mit Masterabschluss, seit einem Jahr im Beruf, verdiente 49.100 Euro und

  • ein ebenfalls fiktiver Müllwerker (Realschulabschluss plus dreijährige Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft), seit sieben Jahren bei einer privaten Abfallentsorgungsfirma tätig, verdiente 36.000 Euro brutto.

Demgegenüber stehen:


  • Kathrin Menges, ehemalige Lehrerin, heute Personalvorstand bei Henkel mit einem Bruttojahreseinkommen von 4,5 Millionen Euro,

  • eine fiktive Einzelhandelskauffrau, die, seit dem die Kinder alt genug für den Kindergarten waren, Teilzeit in einer Drogerie arbeitet und im Jahr 15.840 Euro brutto bekommt sowie

  • die fiktive Sozialpädagogin mit Bachelorabschluss, die frisch von der Uni kommt und in einer Fachklinik 23.112 Euro brutto im Jahr verdient.

Addiert man diese Jahresbruttogehälter und teilt sie durch die Anzahl der Frauen, kommt man zum Ergebnis, dass die durchschnittliche berufstätige Frau im Jahr 1,5 Millionen Euro brutto verdient. Macht man das Gleiche bei den Beispielmännern, kommt man auf ein durchschnittliches Bruttojahresgehalt von rund 4,4 Millionen Euro. Das würde so eigentlich niemand rechnen, sagt der Verstand.

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