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Wer so heiß begehrt ist, müsste von Arbeitgebern theoretisch hofiert werden
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Heiß begehrte IT-Profis

Wo bleibt das Top-Gehalt?

Kerstin Dämon, wiwo.de
Apple, Google, Facebook, BMW, Audi oder lieber ein Mittelständler? Wer programmieren kann, kann sich seinen Arbeitgeber quasi aussuchen. Nur gut bezahlt wird er nicht. Sagen zumindest die Entwickler selbst.
Die CeBIT rückt die Bedeutung von Entwicklern für die deutsche Wirtschaft noch mal in den Fokus: Egal ob bei Birkenstock, Microsoft, dem FC Schalke 04 oder der Sparkasse – ohne Programmierer können Unternehmen heute kaum noch arbeiten. Geschweige denn, zukunftsfähige Produkte und Dienstleistungen entwickeln.

"Die Digitalisierung der Unternehmen in Deutschland nimmt rasant Fahrt auf. Daher suchen wir verstärkt nach gut ausgebildeten Talenten, die mit uns die vielen spannenden Projekte gestalten", sagt beispielsweise Peter Lempp, Chief People Officer bei Capgemini in Deutschland. Allein dieses Beratungsunternehmen will 1250 IT-Stellen neu besetzen. Und das nur in Deutschland. Vom Softwareingenieur und Datenanalysten, über den Solution-Architekten, IoT-Fachleuten und Cybersecurity-Spezialisten bis hin zum Berater für die digitale Transformation sucht das Unternehmen nahezu jeden, der programmieren kann.

Wer in Deutschland heiß begehrt ist

In Deutschland haben Unternehmen besonders gute Chancen bei der Suche nach Web-, Desktop- und Mobilentwicklern sowie Datenbankadministratoren. Die sind laut dem aktuellen Entwickler-Report 2017 von Stack Overflow nämlich am häufigsten in der deutschen Programmierer-Landschaft zu finden. Stack Overflow, die weltweit größte Plattform für Entwickler, hat 64.000 Mitglieder zu ihrem Arbeitsleben befragt. Mehr als 5000 Umfrageteilnehmer kamen aus Deutschland.

Darunter waren sowohl Studenten, die in ihrer Freizeit an Open Source-Projekten tüfteln (17 Prozent) als auch professionelle Entwickler (67 Prozent). Mehr als 60 Prozent davon verstehen sich auf Web-Entwicklung. Zu den heiß begehrten Data Scientists zählen sich rund 25 Prozent. Die Lieblingsbranchen der Entwickler sind Software-Entwicklung (22,6 Prozent), Internet- und Online Services (14,9 Prozent) und die Automobilbranche (6,2 Prozent).

In Gehaltsbelangen sind die Unternehmen zu knauserig

Aber auch Unternehmen aus anderen Sektoren können attraktive Arbeitgeber für IT-Spezialisten sein, wenn sie es richtig anstellen. So sollten die Unternehmen berücksichtigen, dass weit über 90 Prozent der Befragten sich ihre Fähigkeiten zumindest teilweise selbst beigebracht haben. Wer nur auf Diplome und Abschlusszeugnisse achtet, übersieht also diese Autodidakten. Coding-Erfahrung ist eben nicht gleichzusetzen mit Berufserfahrung. Viele IT-Spezialisten haben schon vor dem ersten Job Code geschrieben.

Deutlich interessanter ist jedoch die Einstellung der Entwickler zu ihrem Gehalt. Wer so heiß begehrt ist, müsste von Arbeitgebern theoretisch hofiert – und fantastisch bezahlt – werden. Könnte man meinen. In der Realität ist das aber offenbar nicht der Fall. Mehr als die Hälfte der Entwickler findet, dass das Gehalt zu niedrig sei. 11,6 Prozent halten sich sogar für deutlich unterbezahlt. Am stärksten ist diese Überzeugung bei Entwicklern, die bei staatlichen Einrichtungen und NGOs arbeiten. Hier sagen 72 Prozent: Ich verdiene nicht genug.

Hauseigene Technik und Weiterbildung haben für Programmierer einen hohen Stellenwert

Im internationalen Vergleich müssen sich jedoch alle deutschen Unternehmen vorwerfen lassen, ihre Entwickler unterdurchschnittlich zu bezahlen. Während ein Programmierer in den USA im Jahr durchschnittlich mit 87.275 Dollar brutto (80.819 Euro) verdient, bekommt der Programmierer in Süddeutschland nämlich im Median nur 50.000 Euro.


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Grundsätzlich sind die befragten Entwickler zwar zufrieden mit ihrem jetzigen Arbeitgeber. Mehr als die Hälfte bezeichnet sich jedoch selbst als offen für neue Angebote. Wer die hauseigenen Entwickler nicht verlieren möchte, sollte vielleicht auf die Frage nach einer Gehaltserhöhung positiv reagieren. Auch bei fachlichen Weiterbildungsmöglichkeiten sollten Arbeitgeber nicht knausern. Die, die hauseigene Technik und das Arbeitsumfeld spielen für die IT-Profis nämlich auch eine sehr wichtige Rolle.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

Dieser Artikel ist erschienen am 30.03.2017

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