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Teilzeitkräfte stehen sich schlechter, wenn Boni Gehaltsbestandteil sind
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Gehaltsgleichheit

Unzeitgemäße Boni-Kultur

wiwo.de, dpa
Boni gehören bei den meisten Unternehmen mit zur Standard-Vergütung. Frauen haben dabei oft das Nachsehen, wenn sie Teilzeit arbeiten: Dann schnappt die Boni-Falle zu. Das geht aus einer Studie des Bundesarbeitsministeriums und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.
Prämien oder Boni aufs Gehalt? Für Teilzeitbeschäftigte gilt das einer Studie zufolge seltener. Dabei setzen rund 60 Prozent der Betriebe in Deutschland variable Vergütungssysteme ein, wie aus einer Langzeitstudie hervorgeht, die jetzt vom Bundesarbeitsministerium und dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vorgelegt wurde.

"Die Studie zeigt, dass die Teilzeitfalle oft zur Bonifalle wird. Teilzeitbeschäftigte, also vor allem Frauen, werden bei erfolgsabhängigen Vergütungen oft nicht berücksichtigt. Diese Bonuskultur ist nicht mehr zeitgemäß", erklärte dazu Staatssekretär Björn Böhning (SPD).

Gute Aussichten auf zusätzliche Zahlungen haben demnach leitende Beschäftigte mit hohem Bildungsniveau. Mitarbeiter in Teilzeit oder mit befristeten Verträgen werden hingegen seltener in Boni-Programme aufgenommen.

Koppelung der Boni an persönliche Leistung geht zurück

Gerade die Teilzeit-Komponente treffe häufig Frauen. Bei Führungskräften beobachten die Forscher einen leichten Trend, die Prämien stärker an den Erfolg des ganzen Unternehmens oder mindestens der Organisationseinheit zu koppeln. Die persönliche Leistung stand im Jahr 2016 nur bei 33 Prozent der Führungskräfte im Fokus. Vier Jahre zuvor waren es noch 36 Prozent gewesen.

Der Monitor zeigt nach Ansicht der Verfasser, dass die Mitarbeiter zufriedener seien und sich stärker engagierten, wenn die Anreize an den Unternehmenserfolg gekoppelt seien.

"Eine höhere Individualisierung der Vergütung hingegen senkt die Arbeitszufriedenheit und Kooperationsbereitschaft", berichtete der Tübinger Wirtschaftsprofessor Patrick Kampkötter.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 26.06.2018