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Die Wirtschaft boomt
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Gehaltstrends 2018

So viel können Sie nächstes Jahr verdienen

Teil 2: Der Gesundheitssektor boomt

Natürlich gibt es auch Branchen, die die Gehälter überdurchschnittlich stark anheben wollen. So sind die Gewinner des kommenden Jahres der Prognose zufolge die (hochqualifizierten) Angestellten im Gesundheitssektor. Diese Branche plant mit 2,7 Prozent die höchste Steigerung, gefolgt von Chemie, produzierender Industrie und Dienstleistungen (je 2,6 Prozent).

Schlusslichter sind erneut die Versorger, die sogar um 0,1 Prozentpunkte weniger erhöhen wollen (1,7 Prozent Lohnsteigerung). Öl und Gas plant eine Steigerung um 0,3 Prozentpunkte auf 2,3 Prozent und liegt damit in der Prognose für das Jahr 2018 gleichauf mit der Automobilindustrie (2,3 Prozent). Allerdings können sich diese Prognosen noch drastisch ändern, wie Gruhle sagt. "40 Prozent der Unternehmen haben noch keine Entscheidung für 2018 getroffen. Das sind rund doppelt so viele Unternehmen wie im letzten Jahr." Er erklärt sich das mit der wachsenden Unsicherheit bezüglich der politischen Situation in der Welt – der Konflikt der USA mit Nordkorea, die Situation in der Türkei, die Znspolitik der Notenbanken – und der Angst davor, den Boom durch unvorsichtige Entscheidungen abzuwürgen. In Deutschland spiele die Bundestagswahl Ende September sicher auch eine große Rolle, so Gruhle.

Je mehr Abschlüsse, desto höher letztlich der Lohn

Für Manager und leitende Angestellte besteht natürlich immer noch die Möglichkeit, das Grundgehalt durch variable Vergütung aufzupolieren. Auch normalen Mitarbeitern steht häufig ein Bonus zu. Besonders oft kommen Boni im Vertrieb vor. Hier liegt die Spannbreite der variablen Bezüge zwischen zehn und 30 Prozent vom Grundgehalt. Je mehr Abschlüsse, desto höher letztlich der Lohn.

Nur: Auch die variable Vergütung verändert sich in letzter Zeit. Bei Bosch bekommen die Mitarbeiter schon länger eine Erfolgsbeteiligung, anstatt individueller Leistungen, bei der Deutschen Bahn sollen künftig Teams darüber entscheiden, wer wofür wie viel Extra bekommt und auch Bayer experimentiert derzeit mit der variablen beziehungsweise kollektiven Vergütung. Und tatsächlich überlegen einige der von Kienbaum befragten Führungskräfte, zumindest die Art der Ausschüttung zu verändern. "Einige Unternehmen denken durchaus darüber nach, die Boni durch das Team verteilen zu lassen, anstatt durch den Vorgesetzten allein. Das ist zwar für die meisten Teilnehmer noch Zukunftsmusik, aber immerhin wird solch eine Teamverteilung derzeit von zehn Prozent der Unternehmen in ihre Überlegungen aufgenommen", sagt Hans-Carl von Hülsen, Vergütungsexperte bei der Unternehmensberatung Kienbaum.

Bisheriges Bonussystem ist überholt

Gemäß einer Untersuchung aus seinem Hause erhalten 90 Prozent der Top-Manager und 84 Prozent der Führungskräfte im mittleren Management individuelle Boni.

Dass der Bonus ausstirbt, kann sich deshalb auch Thomas Haussmann, Vergütungsexperte bei Korn Ferry Hay Group nicht so recht vorstellen. Nur sei dieses Modell mittlerweile etwas aus der Zeit gefallen. "Wie wollen Sie denn Jahresziele festlegen und deren Erfüllung belohnen, wenn Leute nur noch für drei Monate auf einem Projekt arbeiten und dann etwas ganz anders machen?", sagt er. Verändert sich das Arbeiten und das Selbstverständnis der Menschen, müsse sich auch die Bezahlung verändern. Geld werde immer mehr zum Hygienefaktor. "Ein erheblicher Teil der Unternehmen wendet sich deshalb von individuellen variablen Sätzen ab und Beteiligungen am Gesamterfolg des Unternehmens zu." Auch sein Kollege Gruhle sagt: "Es geht in der heutigen Arbeitswelt immer mehr um Zusammenarbeit und Teamleistung. Entsprechend schwierig ist es, Einzelne gesondert hervorzuheben und zu belohnen."


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 10.10.2017