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In Deutschland gibt es Gehaltsunterschiede nach Geschlecht und Region
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Gehaltsunterschiede bei Top-Verdienern

So groß ist die Kluft zwischen Männern und Frauen

Kerstin Dämon, wiwo.de
In Australien zahlen Männer in einem Café für Kuchen und Getränke 18 Prozent mehr als Frauen. Grund: Sie verdienen im Mittel 18 Prozent mehr. Auch in Deutschland gibt es Gehaltsunterschiede nach Geschlecht und Region.
In einem Café der australischen Millionenstadt Melbourne werden Männer seit Kurzem extra zur Kasse gebeten: Das "Handsome Her" (in etwa: "Hübsche Sie") schlägt bei Männern 18 Prozent auf den Preis drauf. Auf einer Kreidetafel gleich am Eingang wird dies damit begründet, dass Männer in Australien immer noch mehr verdienen als Frauen. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie sind es 18 Prozent. "Bislang hat sich noch niemand geweigert, mehr zu bezahlen", sagt Mitgründerin Alexandra O'Brien. Das durch den freiwilligen Aufschlag zusätzlich eingenommene Geld fließt laut dem Café in Projekte zur Frauenförderung.

Ob das am Gehaltsunterschied bei Männern und Frauen etwas ändert, ist fraglich. Den gibt es nämlich nicht nur in Australien, sondern weltweit. In Deutschland liegt er – je nach Rechenart – zwischen sechs und 21 Prozent.

Die Macher der Jobsuchmaschine Adzuna haben rund 6000 Lebensläufe von Bewerbern mit einem Jahresgehalt jenseits der 50.000 Euro miteinander verglichen und festgestellt: Gehaltsunterschiede gibt es auch bei Top-Verdienern. Und zwar nach Geschlecht und Region. So verdienen Männer im Norden Deutschlands richtig gut, Frauen sollten lieber im Süden arbeiten, wenn sie viel verdienen wollen.

Frauen verdienen im Süden besser, Männer im Norden

Männliche Top-Verdiener bekommen demnach in Hannover durchschnittlich 103.884 Euro brutto. Bei den weiblichen Topverdienern schneidet München mit 67.220 Euro am besten ab.

Die Berufserfahrung der im Rahmen der Studie untersuchten Personen aus dem Raum Hannover zeigte dabei eine große Konzentration auf das Ingenieurwesen sowie den Bereich Informatik. Hannover ist zudem Sitz des Großkonzerns Volkswagen sowie zahlreicher Automobilzulieferer und bietet damit vermehrt Arbeitsplätze in der Automobilindustrie. Ingenieure bei den großen Autokonzernen verdienen natürlich deutlich besser, als ein Controller bei einem mittelständischen Unternehmen.

Die Gegenüberstellung der männlichen und weiblichen Verdienste zeigt ganz deutlich: In Bayern ist die Gehaltskluft zwischen Männern und Frauen am geringsten.

"Im Falle einer Standortwahl können sich Arbeitnehmerinnen somit dieses Wissen zunutze machen", sagt Inja Schneider, die bei Adzuna für das Geschäft in Deutschland und Österreich verantwortlich ist. Nach Australien sollten sie allerdings lieber nicht gehen.

Das dortige Durchschnittsgehalt liegt nämlich bei 59.900 australischen Dollar oder rund 41.350 Euro. Auch für Männer. Dafür sind die Lebenshaltungskosten mitunter höher als in Deutschland. Auch ohne geschlechtsspezifischen Aufschlag in Cafés. Der aber übrigens nicht verbindlich ist. Die australischen Gesetze zum Schutz vor Diskriminierung sind nämlich recht streng.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 18.08.2017