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Was Manager verdienen
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Interview: Gehälter Führungskräfte

Sechs- bis siebenstellig an der Spitze

Teil 3: Wert von Fachkarrieren muss finanziell angeglichen werden

Ab wann spielen Boni eine bedeutende Rolle?

Die Performance der Unternehmen treibt die Gehälter in der gesamten Führungsebene. Außertariflich bezahlte Mitarbeiter spüren diesen Effekt deutlich. Ein weiterer Faktor beim variablen Vergütungsanteil ist die persönliche Leistung. Außerdem spielt die vom Unternehmen gemessene Wertigkeit der jeweiligen Position eine Rolle bei der Gehaltsvariablen. Folgende Vergütungsstrukturen sind üblich: Auf Vorstandsebene überwiegt der variable Anteil gegenüber dem Fixgehalt in einem Verhältnis von 60:40. In der ersten und zweiten Führungsebene liegt der variable Gehaltsanteil im Schnitt bei 30 bis 40 Prozent, und im mittleren Management sind ca. 20 Prozent variable Vergütung üblich.

Klar ist: Wenn ich auf einer bestimmten Stufe angekommen bin, haben meine Entscheidungen auch Auswirkung auf die Unternehmensperformance und ich sollte demzufolge auch stärker daran gemessen werden und partizipieren. Zurzeit ist es in Deutschland noch so, dass Boni in der Regel nur nach oben ausschlagen. Das heißt: Bei Misserfolgen werden Boni nicht ausgesetzt. Aber der Druck, das zu ändern, wird in Deutschland – zum Beispiel durch den zunehmenden Druck von Aktionären, aber auch einer zunehmenden Einsicht in den Personalabteilungen – größer.

Was sind die Vorteile einer Führungs- gegenüber einer Fachkarriere?

Ein höheres Gehalt für Führungskräfte ist heute noch ein Muss. Es liegt jedoch in der Natur der Sache, dass sich das ändern wird. Denn in vielen Unternehmen existieren schon heute mehrere Welten nebeneinander. Zum Beispiel bei den Versicherungen sieht man das sehr gut; da ändern sich die Arbeitsweisen gerade drastisch. Diese sind gezwungen, eine Heerschar an Spezialisten für IT oder sich spezialisierende Organisationen zu finden und einzustellen. Die Experten- und Spezialistenkarrieren werden extrem wichtig – und das wird künftig auch höher vergütet werden müssen.

Gibt es besondere Verhaltensregeln für die Gehaltsverhandlung bei Führungskräften?

Unsere Empfehlung lautet, mit offenem Visier und einer gesunden Vorstellung in die Verhandlung hineinzugehen. Nicht akzeptabel sind unrealistische Erwartungen – ob nach oben oder unten. Die Information im Netz oder im Gespräch mit Kollegen ist unumgänglich. Auch wir Personaldienstleister geben entsprechende Infos zur marktüblichen Vergütung sowohl an die Kandidaten, als auch an die Unternehmen weiter.

Die erwartete Vergütungshöhe und die Ziele, an denen man gemessen werden möchte, sollten klar angesprochen werden. Neben der Vergütungsstruktur, d.h. Fixgehalt und variablen Anteil spielen Nebenleistungen eine Rolle. Firmenwagen sind immer öfter kein Standard mehr, sie spielen noch auf Vorstandsebene und allenfalls im Vertrieb eine Rolle. In Großstädten sind heute auch Bahncard oder Carsharing-Nutzung ein beliebtes Thema. Auch die Altersvorsorge hat nicht mehr ihre frühere Bedeutung, und Pensionszahlungen fallen zunehmend weg. Ausgehandelt werden können aber etwa D&O-Versicherungen, die Manager gegen Schäden durch Fehlentscheidungen absichern.

Wer ist auf den unterschiedlichen Managementebenen der richtige Ansprechpartner für Führungskräfte, die ihr Gehalt – außerhalb von Zielvereinbarungen – "aufbessern" wollen?

Erster Ansprechpartner bei Gehaltsthemen sollte auf allen Führungsebenen immer zunächst die direkte Führungskraft sein. In einigen Unternehmen werden Führungskräfte auch durch Mentoren begleitet. Falls ein Mentor vorhanden ist, ist dieser immer ein guter Anlaufpunkt, um Überlegungen bezüglich einer angemessenen Vergütung zu reflektieren und richtig einzuordnen. Dabei sollte man natürlich auch überlegen, aus welchen Gründen eine Gehaltsanpassung angebracht sein kann.

Was könnten Anknüpfungspunkte für einen höheren Gehaltswunsch sein?

Anknüpfungspunkte können hier auf der einen Seite gestiegene Anforderungen an eine Funktion sein, beispielsweise weil man als Führungskraft Verantwortung für weitere Mitarbeiter übernommen hat oder zusätzliche Themen vorantreibt. Dabei sollte man letztendlich auch darüber nachdenken, wie diese zusätzlichen Aktivitäten sich auf den Erfolg des Unternehmens oder des Bereichs auswirken. Auf der anderen Seite kann aber natürlich auch eine herausragende Leistung eines Mitarbeiters ein Anknüpfungspunkt für Gehaltssteigerungen sein. Auch hierbei sollte man sich aber nicht auf gefühlte Leistung, sondern auf belegbare Fakten und Argumente beziehen.

Beim Einstieg in ein Unternehmen gilt es den Vergütungswunsch offen im Bewerbungsprozess zu artikulieren. Beim Einstieg steht häufig die für die Funktion relevante und in der Regel berufsbezogene Erfahrung im Vordergrund. Die Kunst besteht dann sicher auch darin, möglichst konkret darzulegen, wie das Unternehmen von diesen Erfahrungen profitieren kann.
Dieser Artikel ist erschienen am 10.02.2017