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Was Manager verdienen
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Interview: Gehälter Führungskräfte

Sechs- bis siebenstellig an der Spitze

Teil 2: Warum Unternehmen ihre hohen Erwartungen herunterschrauben müssen

Wo ist die finanzielle Schmerzgrenze für Bewerber in der Führungsebene, wenn Sinnhaftigkeit und Work-Life-Balance stimmen? An welchen Gehaltszahlen orientieren sich zum Beispiel Personalberater/Headhunter, die ein entsprechendes Angebot unterbreiten?

Eine allgemeingültige Schmerzgrenze gibt es nicht. Das ist immer abhängig von der Position. Sicher ist, dass die meisten Menschen sich beim Gehalt nicht verschlechtern wollen. Eine einmal erreichte Vergütung wird in der Regel auch für den neuen Job gefordert. Auch der Vergleich mit Freunden und Bekannten ist wichtig. Personaler sind in der Regel sehr gut über marktübliche Vergütungshöhen informiert. Sie kaufen Informationen zu marktüblichen Vergütungshöhen beispielsweise von spezialisierten Anbietern im Markt ein. Zudem sind sie oft über die eigenen Unternehmensgrenzen hinweg gut vernetzt und können gut einschätzen, was in anderen Unternehmen der Branche oder Region gezahlt wird.

Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen, um jetzt und in Zukunft Karriere zu machen und vom großen Kuchen partizipieren zu können?

Um es gleich vorwegzunehmen: Für eine Führungslaufbahn sind nach wie vor die richtigen fachlichen Voraussetzungen wichtig. Leistungsfähigkeit gehört selbstverständlich genauso dazu wie gute Noten. Diese verlieren allerdings etwas an Bedeutung. Mehr und stärker wird auf die Persönlichkeit geachtet: Hat der Kandidat oder die Kandidatin Breite in Wissen und Handeln? Gewünscht sind Personen, die nicht mit dem Strom schwimmen, die ohne Scheuklappen durchs Leben gehen, Dinge rechts und links sehen, die „diverse“ geprägt sind und die ihre eigene Meinung vertreten. Die hohe Kunst, die Führungskräften heute abverlangt wird, besteht darin, nicht dazu zu neigen, den eigenen Status abzusichern, sondern stattdessen andere zu befähigen, erfolgreich zu werden. Einzelkämpferdasein ist out. Das ist der Wandel, der sich vollzogen hat. Als Führungskraft bin ich Coach und Mentor zugleich.

Müssen Unternehmen ihre hohen Erwartungen an das Führungspersonal herunterschrauben, um überhaupt entsprechend "Nachschub" zu erhalten?

Das glaube ich nicht. Sie müssen aber sicher mehr dafür tun, um die richtigen Menschen in die richtige Funktion zu bringen. Sie müssen ihre Führungskräfte darüber hinaus auch weiterentwickeln und ihnen die richtigen Methoden und Instrumente an die Hand geben, um unter den neuen Voraussetzungen erfolgreich zu sein.

Gibt es Skills, die in Zeiten der Digitalisierung auf Managementebene von größter Bedeutung sind?

Die Führungsebenen unterhalb der Vorstandsebene müssen die Digitalisierung treiben. Auch technologisch im Bild zu bleiben, ist daher immens wichtig. Vorstand und Aufsichtsrat müssen die Themen kritisch hinterfragen können, um zu entscheiden, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist. Mit der Fähigkeit, Dinge aus der Komplexität herauszunehmen und erklären zu können, ist die beste Basis geschaffen.

In welchen Regionen haben Führungskräfte das beste Auskommen?

Weitaus am meisten verdienen Manager natürlich in wirtschaftlich starken Regionen mit einer hohen Dichte an dort ansässigen Unternehmen. Spitzenreiter in der Vergütung sind daher die Ballungsräume um die deutschen Großstädte Düsseldorf, Köln, München, Frankfurt und Hamburg. Diese Regionen liegen in unserem regionalen Vergütungsindex an den Spitzenpositionen. Das hat auch mit dem „War for Talents“ zu tun. Um die besten Talente für sich zu gewinnen, legen Unternehmen in diesen Regionen dann auf das ohnehin schon hohe Gehalt etwas drauf, um sich im Wettbewerb zu behaupten. In diesen Ballungsräumen ist aber auch mit hohen Lebenshaltungs- und Wohnkosten zu rechnen.

Auf der anderen Seite möchte ich an dieser Stelle die Stadt Leipzig nennen, die sich eher am Ende unseres regionalen Vergütungsindex befindet. Auch Jena mit den vielen High-Tech-Unternehmen zieht Bewerber fürs Management an – trotz vergleichsweise moderater Gehälter. Aber das sind Gebiete, in denen gerade sehr viel passiert, nicht nur wirtschaftlich sondern auch was die Zufriedenheit und Lebensqualität angeht. Es gibt noch genügend Platz, günstigen Wohnraum und eine gesunde Infrastruktur. Offenbar liegt genau das gerade im Trend.

Mit welcher Gehaltsentwicklung können Führungskräfte rechnen?

Auf Führungsebene in Deutschland haben wir für 2017 eine Gehaltssteigerung von 3,1 Prozent vorhergesagt – und das über alle Hierarchieebenen hinweg. Aufgeschlüsselt sieht das so aus: Vorstände verdienen im Durchschnitt 3,5 Prozent mehr, das Top-Management erhält 3,2 Prozent mehr und die unteren Management-Ebenen müssen mit einem Plus von 2,9 Prozent zufrieden sein. Bei einer voraussichtlichen Inflation von in Deutschland ca. 1,5 Prozent, dürften viele Menschen auch nach Abzug der Inflation eine reale Lohnsteigerung erfahren. Über 62 Prozent der von uns befragten Personalverantwortlichen begründen die Gehaltssteigerungen in 2017 mit der guten Performance ihrer Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr. Gut die Hälfte der Befragten begründet die Gehaltssteigerungen im eigenen Unternehmen mit der sehr guten Leistung der Mitarbeiter. Leistung zahlt sich offensichtlich also weiterhin aus.