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Was Manager verdienen
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Interview: Gehälter Führungskräfte

Sechs- bis siebenstellig an der Spitze

Interview: Anne Koschik
Finanziell lohnt sich eine Führungskarriere auf jeden Fall. Versicherungen, Banken und die Pharmabranche zahlen hier am meisten. Schon im mittleren Management können über 130.000 Euro erreicht werden. Doch Stellen mit hoher Verantwortung zu besetzen, wird immer schwerer, stellt Kienbaum-Vergütungsexperte Sebastian Pacher fest. Wenn die Sinnhaftigkeit der Arbeit den Bewerbern nicht einleuchtet, sind diese heute auch mit einem hohen Einkommen nicht zu ködern. Der Wertewandel lässt Unternehmen umdenken.
In welchen Branchen verdienen Führungskräfte am besten?

Sebastian Pacher: Im Bereich Finanzen, Banken und Versicherungen, aber auch im Einzelhandel und in der Pharma-Industrie sehen wir vergleichsweise hohe Gehälter. Je nach Unternehmensgröße kann man in Versicherungen schon im mittleren Management zwischen 95.000 und 130.000 Euro verdienen. Im Pharma-Umfeld stellen wir im mittleren Management Gesamtvergütungen von 100.000 bis 140.000 Euro fest. Auch die Gehälter von Führungskräften im Einzelhandel sind damit durchaus vergleichbar.
Dr. Sebastian Pacher, Experte für Vergütungsdaten bei Kienbaum Consultants InternationalFoto: Kienbaum
In den oberen Führungsebenen geht es zum Teil deutlich weiter hinauf. Hier können Vergütungen gerade in größeren Unternehmen auch über 250.000 Euro liegen. Rechnet man Boni mit ein, kommen Geschäftsführer in mittelständisch geprägten Unternehmen auf im Schnitt auf rund 350.000 Euro. Die Vergütung vieler Vorstände in DAX-Konzernen ist in der Regel im unteren einstelligen Millionenbereich anzusiedeln. Unsere Erhebungen zeigen, dass Vorstandsmitglieder im DAX-Umfeld in der Regel das Drei- bis Fünffache der ihnen direkt unterstellten Führungsebenen erhalten.

Und wo liegen die Chefgehälter niedriger?

Traditionell weniger können Führungskräfte in Verbänden oder in Unternehmen der öffentlichen Hand erwarten. Trotzdem schadet das interessanterweise nicht der Beliebtheit dieser Unternehmen. Denn gerade in der nachrückenden jüngeren Generation stellen wir einen Wertewandel fest. Bei ihrer Karriere stellen ihre Vertreter ein hohes Gehalt oft nicht mehr an erste Stelle. Es wird zum Teil abgelöst durch die Sinnhaftigkeit der Arbeit und den Faktor Zeit, der für Familie, Freunde und persönliche Interessen übrigbleibt.

Welche Folgen hat der von Ihnen angesprochene Wertewandel bei der Besetzung von Managementpositionen?

Wir registrieren, dass es immer schwerer wird, Stellen mit hoher Verantwortung zu besetzen. Geht es um Geschäftsführer-, Vorstands- oder Aufsichtsratsposten stehen Menschen vor der Frage: Suche ich eine Karriere, wo ich alles auf eine Karte setzen muss oder will ich nicht lieber eine Position mit einer vernünftigen Work-Life-Balance? Zurzeit ist das noch ein Spannungsfeld. Doch wir stellen fest, dass Unternehmen bereits experimentieren und zum Beispiel die Möglichkeit von Teilzeit auch auf oberen Managementebenen testen. Das zeigt uns: Das Thema Karriere wird neu besetzt werden müssen.

Gilt das für Konzerne und Mittelstand?

Die Frage ist pauschal schwierig zu beantworten. Bei Konzernen und im klassischen Mittelstand gibt es schon viele gute Beispiele dafür, wie neue Ansätze von Führung und Vergütung gelingen können. Der Wandlungswille im deutschen Mittelstand ist auch bei diesen Themen ganz enorm.

Wenn es nicht mehr das große Geld ist, was kann dann in die Unternehmensverantwortung locken?

Es geht immer mehr darum, dass Menschen sich mit ihrem Arbeitgeber identifizieren können. Sie wollen Teil von etwas Sinnvollem sein und sich von ihrem Arbeitgeber wertgeschätzt und wertvoll fühlen. Die Währung dabei ist allerdings nicht der Euro. Das Thema Gehalt wird abgelöst durch Gestaltungsmöglichkeiten. Mitarbeiter wollen viel stärker auch in strategische Entscheidungen einbezogen werden und mitgestalten. Wer die Rolle einer Führungskraft übernimmt, möchte wissen, wie Karriere es ihm ermöglicht, sich sinnstiftend einzubringen und zusätzlich persönliches Feedback auf die Tätigkeit zu erhalten, um sich weiterentwickeln zu können. Positive Resonanz aus beruflichen Beziehungen und die Zusammenarbeit mit spannenden Menschen aus der ganzen Welt ist in dem Zusammenhang wichtig. Dieser Trend ist deutlich jetzt schon im Middle-Management spürbar.

Woher kommt der Sinneswandel?

Das Ganze hängt sicher mit dem allgemeinen Trend zusammen, der weggeht vom Eigentum als Statussymbol. Wir sind in der Sharing-Economy angekommen: Ich benötige kein eigenes Auto mehr, kein riesiges Büro, kann zur Miete wohnen, teile Musik, Filme etc. Sich aufgrund eines großen Gehalts etwas leisten zu können – ein großes Haus, einen Sportwagen – hat nicht mehr den früheren Stellenwert. Daran werden Menschen immer weniger gemessen. Und so verliert in dem Zusammenhang auch die Gehaltshöhe ein Stück an Bedeutung.

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