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Jobzufriedenheit schlägt Gehalt
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Jobzufriedenheit

Höhere Ansprüche mit steigendem Gehalt

Teil 2: Je höher das Gehalt, desto bedeutungsloser wird es

Teilt man die Nutzer in vier Einkommensgruppen ein und schaut sich dann deren Präferenzen an, sieht das Bild anders aus: Wer weniger als 40.000 Dollar im Jahr verdient, für den ist der Faktor Vergütung mit 12,8 Prozent wichtiger als die Work-Life-Balance. Bei den Teilnehmern, die ab 120.000 Dollar aufwärts pro Jahr verdienen, trägt das Gehalt nur noch mit einem Anteil von 9,8 Prozent zur Zufriedenheit bei.

Je höher das Gehalt, desto wichtiger werden dafür Unternehmenskultur, Work-Life-Balance und die Führungskräfte. Gut und besser bezahlte Arbeitnehmer sind eher dazu bereit, Freizeit zugunsten von Arbeitszeit zu opfern. Auch die Geschäftsaussichten sind für Arbeitnehmer weniger zentral, je mehr sie verdienen. Dies kann einerseits damit zusammenhängen, dass Niedrigverdiener eher dazu neigen, sich bei wirtschaftlicher Unsicherheit Sorgen zu machen. Andererseits ist es wahrscheinlich, dass Besserverdiener durchschnittlich eher in großen und langfristig stabilen Konzernen arbeiten. 

Ein Spitzengehalt macht nicht automatisch glücklich

Die Studie zeigt aber auch: Gehalt und Zusatzleistungen spielen für Arbeitnehmer grundsätzlich eine wichtige Rolle, machen aber nicht zwangsläufig zufrieden. Das hat schon der britische Konsumforscher und Ökonom Angus Deaton von der Universität Princeton festgestellt. Seine Erkenntnis: Das subjektive Glücksgefühl der Menschen steigt bis zu einem Jahresverdienst von 75.000 Dollar – also umgerechnet 66.000 Euro jährlich oder 5500 Euro monatlich.

Darüber hinaus sorge mehr Geld nicht für mehr Zufriedenheit. Wer also 120.000 Dollar brutto im Jahr nach Hause bringt, ist genauso glücklich oder unglücklich wie der Kollege mit 75.000 Dollar. Der Grund: Wer mehr als 75.000 Dollar verdient, hat so viel Stress und Druck und so wenig Zeit für die angenehmen Dinge, dass alles Geld es nicht mehr wettmachen kann.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 10.02.2017