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Gehalt: In diesen Städten verdienen Angestellte am meisten
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Wo verdiene ich am meisten?

Durchschnittsgehälter in Großstädten bis zu 20 Prozent höher

Nora Schareike, wiwo.de
Hessen, Baden-Württemberg und Bayern haben ihren Ruf als Länder mit guten Verdienstmöglichkeiten zu Recht. Trotzdem lohnt sich ein Blick, ob die Gehälter in der Fläche gut sind oder nur in der jeweiligen Landeshauptstadt.
Darauf ist Verlass: Dort, wo die großen Unternehmen sitzen, fließt durchschnittlich auch das beste Gehalt auf die Mitarbeiterkonten.

Die höchsten Gehälter werden in Hessen gezahlt, die zweithöchsten in Baden-Württemberg – die Ergebnisse des diesjährigen Gehaltsatlas bestätigen weitgehend die Erkenntnisse des Vorjahres – mit einem kleinen Unterschied: Besonders der Zweitplatzierte erhält nach einer neuen Berechnung mit anderem Fokus einen kleinen Dämpfer.

Vorne dabei in Sachen Gehalt ist der Südwesten nämlich vor allem wegen der hohen Vergütungen in der Landeshauptstadt Stuttgart. Ohne die Stadt – Sitz von Dax- und Weltkonzernen wie Bosch, Daimler, Porsche und Siemens – wäre das Land eher auf dem Niveau von Rheinland-Pfalz oder dem Saarland und die Arbeitnehmer nur wenig bessergestellt als  in Schleswig-Holstein. Die Lebenshaltungskosten sind da noch gar nicht berücksichtigt.

Wiesbaden, Stuttgart, München sorgen für Highlights

Das Portal Gehalt.de hat für alle Bundesländer ausgerechnet, welche Rolle die jeweilige Hauptstadt für das Durchschnittsgehalt spielt. Hebt die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden das Gehaltsniveau des Landes gerade einmal um vier Prozent, macht der Einfluss Stuttgarts auf das Landesdurchschnittsgehalt 19 Prozent aus. In Zahlen: Ein Jahresgehalt in Baden-Württemberg liegt im Schnitt bei 49.827 Euro. Ohne die Hauptstadt wären es nur 41.880 Euro.

Die Differenz liegt bei 7947 Euro oder rund 660 Euro monatlich. Die hessische Differenz beträgt nur 2124 Euro, was sich mit der Rolle Frankfurts als Finanzplatz und dem wirtschaftsstarken Rhein-Main-Gebiet erklären lässt.

Einen großen Unterschied macht auch München für den Freistaat Bayern. 17 Prozent beträgt der Einfluss der dortigen Gehälter auf das Lohnniveau im Land. Mit München beträgt ein Jahresgehalt in Bayern knapp 48.200 Euro, ohne sind es 6925 Euro weniger – rund 41.260 Euro. Auch hier liegt der Grund bei den in München ansässigen Dax-Unternehmen, ganze 14 Stück, die das Lohnniveau deutlich heben.

Hohe Lebenshaltungskosten wirken sich aus


An dritter Stelle steht Niedersachsen in dem Ranking. Der Einfluss der Landeshauptstadt Hannover beträgt hier 16 Prozent, was sich in einer Differenz von 5760 Euro niederschlägt. Ein Jahresgehalt in Niedersachsen betrüge ohne Hannover 35.554 Euro, mit Hannover 41.314 Euro. Nordrhein-Westfalen hat viele große Städte und Ballungsgebiete. Trotzdem spielt auch hier die Landeshauptstadt eine relativ große Rolle für die Gehälter. Düsseldorf hebt das durchschnittliche Jahresgehalt in NRW um 4861 Euro – ein Einfluss von 12 Prozent. Das Jahresgehalt in dem Land beträgt 45.815 Euro, ohne Düsseldorf wären es 40.954.

Zwischen sechs und neun Prozent beträgt der Einfluss der Landeshauptstädte von Rheinland-Pfalz, Sachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Mainz, Dresden, Kiel, Magdeburg und Potsdam spielen also durchaus eine Rolle für das Gehaltsniveau der Bundesländer. Kaum eine Rolle spielen die Hauptstädte für das Saarland, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen.

Die Städte, in denen besonders hohe Gehälter üblich sind, gehören auch zu den besonders teuren Wohnorten. Ob München, Frankfurt oder Stuttgart: Sie gehören zu den hochpreisigsten Orten, was Mieten und Lebenshaltungskosten betrifft. Für Arbeitnehmer bedeutet das immer häufiger, dass sie ihren Wohnort und Lebensmittelpunkt außerhalb der Großstadt haben und zum Arbeiten pendeln.

Das mag finanziell nachvollziehbar sein, ist dafür häufig mit Freizeitverlust, Stress und Verkehrsproblemen verbunden.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 06.09.2018