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Jobaussichten

Gefragte Wirtschaftswissenschaftler

Teil 2

„Die Entscheidung für einen Bewerber läuft zu 70 Prozent über die Soft Skills,“ weiß Raimund Schouren, Berater vom Hochschulteam der Arbeitsagentur Düsseldorf. Ihr Urteil bilden sich potenzielle Arbeitgeber in Assessment Centern, im persönlichen Gespräch, während der Praktika und nicht zuletzt über den Lebenslauf, in dem sich außeruniversitäres Engagement entsprechend gut macht. Andererseits entscheiden sich Unternehmen immer öfter auch dann für als charakterstark befundene Kandidaten, wenn ihnen ein Quäntchen Fachwissen fehlt, und lassen dieses nachschulen. Das sagt zum Beispiel Sven Hennige, Deutschland-Chef der Personalberatung Robert Half. Sein Unternehmen liefert Kunden Stellenbewerber mit Finanzhintergrund. Deren eventuelle Fachdefizite paukt er einfach per E-Learning weg.Pharma wächst und wächstEin Bereich, in dem viele Wirtschaftswissenschaftler nach dem Abschluss starten wollen, bietet endlich wieder gute Aussichten: Marketing und Werbung. Erstmals seit drei Jahren beobachtet das Institut für Marketing und Kommunikation einen deutlichen Anstieg freier Stellen. Mit links wuppt man den Berufseinstieg zwar nicht - die Zahl der entsprechend qualifizierten Absolventen ist jedes Jahr groß - aber Unternehmen wie Agenturen stocken ihre Belegschaften auf. Auf der besonders sicheren Job-Seite sind dagegen Absolventen, die sich für den Vertrieb interessieren und entsprechende Qualifikationen mitbringen. Egal, in welcher Branche: Wer sich als verkäuferisch talentiert und kommunikationsfreudig entpuppt, hat gute Chancen auf einen gut dotierten Verkäufer-Job. Besonders der Pharma- und der Gesundheitsbereich wachsen derzeit stark und Firmen schielen auf Wiwis wie auf Mediziner, sagt Sörge Drosten, Partner bei der Personalberatung Kienbaum, zu berichten.

Die besten Jobs von allen

Dass man im Vertrieb sogar als Berufseinsteiger und ganz ohne Branchenkenntnisse gut unterkommen kann, zeigt das Beispiel von Claudia Reitenbach. Sie ist Sales Advisor bei Shell Energy und hat sich in den Gasmarkt erst eingearbeitet. Natürlich steigert jedoch Branchenerfahrung die Chancen auf einen Vertriebsjob und auf gute Umsatzzahlen erheblich. Und natürlich spiegelt sich diese Expertise dann auch im Gehalt wider. Heike Friedrichsen vom Vergütungsdienstleister Personalmarkt sagt: „In den ersten Berufsjahren wird in Marketing- und Vertriebspositionen noch ähnlich verdient, später schlagen die hohen Leistungsboni im Vertrieb aber voll durch. Ein guter Verkäufer kann ausgezeichnet verdienen.“Dass die Höhe der Einstiegsgehälter auch immer ein Gradmesser für die Verzweiflung ist, mit der Unternehmen passende Jobkandidaten suchen, beweist nach wie vor die Consulting-Branche. Während ein Wiwi-Einsteiger im Branchenmittel auf jährlich 40000 Euro kommt, beginnt der Unternehmensberaternachwuchs mit einigen Tausend Euro mehr im Portemonnaie. Die richtig Guten schaffen es schon zum Jobstart bis in die Regionen um 60000 Euro Jahresgehalt. Und die Beratungen haben nach wie vor einen großen Appetit auf Berufseinsteiger. So rechnet der Branchenverband BDU allein für 2008 mit Neueinstellungen von bis zu 10000 Beratern. Besonders der weibliche Anteil an den Belegschaften soll von 18 auf 25 Prozent erhöht werden.
Foto: © Junge Karriere
Dabei grasen nicht nur die medial omnipräsenten Großberatungen den Absolventenmarkt ab, sondern verstärkt tummeln sich hier auch kleine und mittelständische Spezialberatungen. Darüber hinaus gehen auch immer mehr Unternehmen dazu über, sich hausinterne Beraterstäbe zuzulegen, wie Robert-Half-Chef Hennige beobachtet. Wie es sich bei den sogenannten Inhouse-Beratungen arbeitet, erlebt SMC-Berater Arne Freundt derzeit. Für seinen Arbeitgeber Siemens integriert der 28-Jährige aufgekaufte Firmen in den Elektro-Konzern. Mit seinem Studienschwerpunkt Controlling bietet Diplom-Kaufmann Freundt eine Qualifikation, für die ihm mancher Arbeitgeber regelrecht den roten Teppich ausrollt. Denn Absolventen mit jedweder Form von qualifiziertem Controlling-, Steuer- oder Finanz-Know-how leben zurzeit im Jobschlaraffenland. Praktikumsstellen werden diesen umworbenen Absolventen schon gar nicht mehr angeboten. Lieber dient man ihnen gleich einen richtigen Arbeitsvertrag an, bevor die Konkurrenz den begehrten Nachwuchs womöglich wegschnappt.Begehrte ZahlenmeisterFieberhaft suchen aber nicht nur Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, sondern auch die Finanzchefs der Unternehmen nach Talenten. Ob Konzern oder Mittelständler, ob fürs Controlling, fürs Finanz- und Rechnungswesen oder für die strategische Konzernentwicklung - versierte Zahlenjongleure sind quer durch alle Branchen gesucht. „Kommen zu Auslandserfahrung, Sprachtalent und Persönlichkeit womöglich noch SAP-Kenntnisse hinzu, wird uns ein Bewerber förmlich aus den Händen gerissen“, berichtet Berater Raimund Schouren von der Arbeitsagentur.

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