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Jobaussichten

Gefragte Wirtschaftswissenschaftler

Ulrike Heitze
Auslandseinsatz, Verantwortung, schneller Aufstieg - Arbeitgeber bieten jungen Kaufleuten interessante Chancen. Aber auch die Erwartungen sind nicht ohne. Junge Karriere zeigt, wo für Absolventen der Wirtschaftswissenschaften Soll und Haben stimmen.
Torben Jansen ist Produktmanager bei Dr. OetkerFoto: © J
In Sachen Exotik kann es Torben Jansens neue Position nicht ganz mit seiner letzten aufnehmen: Götterspeise, Fruchtgrütze und Wölkchen klingen unspektakulärer als Supermärkte mit lebenden Zwei-Meter-Krokodilen in der Frischeabteilung, einem Büro mit staatlichem Heizungsverbot trotz strengen Winters und einer Sprachbarriere so hoch wie die chinesische Mauer. Dennoch freut sich der 31-jährige Diplom-Ökonom, China hinter sich und Deutschland vor sich zu haben. Seit kurzem verantwortet er als neuer „Produktmanager Marketing Frische“ bei seinem Arbeitgeber, dem Bielefelder Mischkonzern Dr. August Oetker, das Marketing für die obigen Leckerlis im Becher.Sein Job ist es, neue Produkte und Geschmacksrichtungen anzustoßen, die Umsatzzahlen seiner Schützlinge zu analysieren, sich in internationalen Kühlregalen umzusehen, TV-Spots zu produzieren, Verpackungen und Promotion-Aktionen zu konzipieren und freiwillige Testesser die neuen Kreationen verkosten zu lassen. „Ich wollte gerne für konkrete Produkte verantwortlich sein und diese mitgestalten,“ erklärt der gebürtige Schwabe seine Rückkehr aus Asien. „Auch wenn China unbestritten mein bisher spannendstes Projekt war.“

Die besten Jobs von allen

Anderthalb Jahre war er als Business Development Manager in der 17-Millionen-Metropole Schanghai, um mit einem Kollegen zusammen den chinesischen Markt für Dr.-Oetker-Produkte zu sondieren. Große Asien-Erfahrung brachte keiner von beiden mit. Echte Pionierarbeit. „Mehr als unsere Koffer gab es am Anfang nicht,“ erinnert sich Jansen, der seit 2003 beim Bielefelder Familienunternehmen arbeitet und dort als Trainee fürs Internationale Marketing begann. „Wir haben mit ganz elementaren Dingen angefangen: Büro suchen, einrichten, Assistentin einstellen und die unendlichen Formalitäten für Firmenanmeldung und Steuern erledigen.“Danach waren Orientierung und Recherche angesagt: Was essen die Chinesen? Und was nicht? Wo und wie oft kaufen sie ein? Wie sehen ihre Küchen aus? Wie ihre Supermärkte? Wie ist der Handel aufgebaut, wie die Logistik? Wie viele Kühlschränke gibt es? Jansens Marktanalyse ergab, dass der Begriff Lebendkulturen in China mitunter eine eigenwillige Bedeutung hat, und dass es die Pizza im Reich der Mitte schwer haben wird, weil die Backöfen fehlen. Mittlerweile ist in China eine Mikrowellenversion der Dr.-Oetker-Pizza auf dem Markt, und Torben Jansen hat seinen Asien-Einsatz zugunsten seiner Wunschposition in Bielefeld beendet.BWL-Wissen allein reicht nicht mehrTorben Jansens bisheriger Karriereweg ähnelt denen vieler junger Wiwi-Absolventen: Auslandseinsatz hier, Auslandseinsatz dort - oft schon eingebaut in die Einarbeitungs- oder Traineezeit. Dazu schnell viel Eigenverantwortung und ein hohes Maß an Gestaltungsspielraum. Die Stellen, die der Arbeitsmarkt jungen Wirtschaftswissenschaftlern derzeit bietet, sind ebenso vielfältig wie interessant. „Und auch wenn Wiwis nicht diese übergroße Auswahl haben, wie sie sich Ingenieuren und ITlern derzeit bietet, haben sie trotzdem sehr gute Perspektiven,“ stellt beispielsweise Tanja Siegmund vom Personaldienstleister Adecco fest.Ein Bewerbermarkt - für so gut wie alle Fachrichtungen innerhalb eines Unternehmens und obendrein in den meisten Branchen. Gleichzeitig wird von Bewerbern einiges verlangt. Mit dem reinen, breiten BWL-Wissen allein ist es ja schon längst nicht mehr getan. Die Spezialisierung macht die Musik. Und das, was der Student drum herum so mitbringt. Ohne erste berufliche Erfahrung durch Praktika, vorgeschaltete Ausbildungen, Nebenjobs oder als Werkstudent ist selbst bei Kleinstunternehmen kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Wer bei Großkonzernen oder auch international tätigen Mittelständlern anheuern will, muss mehrmonatige Auslandserfahrung mitbringen. Englisch fließend inklusive, gerne auch noch ein, zwei Sprachen mehr.Die Latte hängt unbestreitbar hoch. Gleichzeitig waren aber auch die Möglichkeiten, zum Beispiel an Auslandspraktika oder -semester zu kommen, noch nie so groß wie heute, merken Personalverantwortliche und Hochschulexperten an. Die Zahl der Kandidaten, die diese Qualifikationen tatsächlich mitbringen, ist groß, daher wäre es ein Vabanque-Spiel für Bewerber, diese Wünsche der Arbeitgeber zu ignorieren. Neben der fachlichen Qualifikation schielen die Unternehmen mehr denn je auf die viel beschworenen Soft Skills wie Engagement, Team- und Kommunikationsfähigkeit sowie Stressresistenz. Bei den raren Ingenieuren drücken Personaler angesichts persönlicher Defizite eventuell ein Auge zu, bei Wirtschaftsfachleuten nicht.

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