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Gefeuert werden ist keine Schande
Mit dem Fußtritt aus der Chefetage: Eine Spitzenmanagerin berichtet, wie man gestärkt aus der Kündigung herauskommt.Foto: Robert Przybysz/Fotolia.com
Jobverlust positiv gestalten

Gefeuert werden ist keine Schande

Kerstin Dämon, wiwo.de
Jill Abramson war drei Jahre lang Chefredakteurin der New York Times. Im Mai wurde sie wegen ihres schroffen Managementstils gefeuert. Jetzt erzählt sie, warum das keine Schande ist und was sie jungen Frauen rät.
Jill Abramson war die erste Frau an der Spitze der New York Times. Indirekt hatte ihr die Freundschaft zur Vorstandsvorsitzenden des Verlages, Janet Robinson, den Weg in diese Position geebnet. Doch nach nicht ganz drei Jahren war Schluss für Abramson: Im September 2011 hatte sie die Stelle angetreten, im Mai 2014 wurde sie gefeuert. Ihr Führungsstil sei zu schroff, sie geriet häufig mit dem Chef vom Dienst und heutigem Chefredakteur der New York Times, Dean Baquet, aneinander. "In den vergangenen Monaten ist Abramson zu einer Quelle der Frustration und Besorgnis im Newsroom der Times geworden", schrieb das Magazin Politico im April 2014.

Jetzt äußert sich Abramson erstmals selbst zu ihrer Kündigung und ihre Botschaft ist klar: Ein Rückschlag ist kein Grund aufzugeben.

Kampflustige Reaktion

Ich wusste, dass ich gefeuert werde, bevor es publik wurde", schreibt sie. Ihre Kinder seien wütend gewesen, sie dagegen nur vom medialen Echo rund um den Globus überrascht. An dem Tag, als ihr Rauswurf bekannt gegeben wurde, habe sie ihrer Tochter ein Foto von sich geschickt, das sie beim Boxtraining zeigt. "Ich wollte meinen Kindern zeigen, dass ich nicht weinend zu hause in einer Ecke sitze", sagt sie. Ihre Tochter veröffentlichte das Bild daraufhin bei Instagram. Natürlich habe sie auch geweint, gibt sie zu. Aber zu sagen, dass sie gefeuert wurde, sei ihr nicht schwer gefallen. "Und ich glaube nicht, dass sich junge Frauen stigmatisiert fühlen sollten, wenn sie entlassen werden", so Abramson. "In unserer Wirtschaft werden ständig Leute wegen der willkürlichsten Gründe entlassen", man könne nicht immer alles kontrollieren.

Zwei Tipps für Frauen

Für junge Frauen hat sie zwei Ratschläge. Zum einen: "Es ist gefährlich, sich selbst über den Job zu definieren." Natürlich vermisse sie ihre Kollegen bei der New York Times, genauso, wie sie ihre Arbeit vermisse. "Aber ich vermisse es nicht, zu sagen: Jill Abramson, Chefredakteurin."

Außerdem müssten Frauen bei Gehaltsverhandlungen selbstsicherer werden, so Abramson. "Für Frauen ist es schwer, mit ihren Vorgesetzten über Geld zu sprechen", sagt sie. Sie bewundere Frauen, denen dies leicht falle. Das Problem sei, dass Frauen oft so froh darüber seien, einen Job bekommen zu haben, dass sie sich nicht trauen, noch mehr zu fordern: "Männer glauben nie, dass ihr Erfolg reine Glückssache war, Frauen tun das oft".

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 18.07.2014

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